music goes digital (3/3) Das Internet und das Straucheln der Musikdespoten
Musikdateien verwalten kann ein mühseliges Unterfangen sein. So sind kryptisch anmutende Dateinamen keine Seltenheit. Kommt es auf einem Album zu einer musikalischen Kollaboration mit einem anderen Künstler, ist das noch kein Garant dafür, dass diesem auch auf der heimischen Festplatte Rechnung getragen wird. Oft wird das Feature als eigenes Album vom jeweiligen Gastkünstler gesammelt. Einen klaren Überblick über das Meer an geladenen Musikdateien findet man in den Anfängen des neuen Jahrtausends immer seltener. Der Tonträger hat sein haptisches Profil verloren. Aufwändige Fotoshoots für außergewöhnliche Cover werden immer unnötiger, denn das Album ist ja nur ein Dateiordner unter vielen, vielen anderen. Das sollte sich ändern als ab 2001 mit dem Apple iPod auch seine Organisationssoftware iTunes in die musikbegeisterten Haushalte einzog. weiter lesen »

music goes digital (2/3) Die MP3 und ihre ersten Gehversuche auf kriminellen Wegen
Im digitalen Bereich gilt, bis auf wenige Ausnahmen wie bei TV-Screens etwa, die einfache Gleichung klein=gut. Das war auch bei den digitalen Tonträgern der Fall und so wurde genauso die, eben noch so futuristisch schillernde, Compact Disc schnell zu sperrig für den aktuellen Zeitgeist. Eine CD konnte nur 74 Minuten Audiomaterial speichern. Aus der heutigen digitalisierten Weltsicht, waren das nur läppische 650 Megabyte. Und so war das Gebot der Stunde in den Anfängen der 1990er Jahre Musikdateien zu verkleinern. Oder feiner gesagt: zu komprimieren. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS nahm sich bereits 1987 der Aufgabe an. Eigentlich bastelten die Mitarbeiter des Institutes nur an einem Verfahren, um die Tonspur von digitalen Filmdateien zu komprimieren, als sie schließlich eine der größten technologischen und kulturellen Neuerfindungen des sich langsam verabschiedenden Jahrhunderts hervorbrachten: Die MP3. weiter lesen »

music goes digital (1/3) Die CD und das Aufkommen eines popkulturellen Cyberfeelings
Manche Ereignisse verändern die Welt. Das gilt nicht nur für atomare Super-GAUs und einstürzende Zwillingstürme, sondern auch für vergleichsweise harmlose Phänomene wie technische Innovationen. Neben so großen Weltneuheiten der Moderne – wie dem Telefon oder dem Vollwaschautomaten – finden wir auch im auditiven Bereich bahnbrechende Erfindungen, die die Hör- und Konsumgewohnheiten der Musikliebhaber grundlegend wandeln ließen. In der folgenden Serie soll versucht werden, diesen Wandel von digitalen Tonträgern aufzuzeigen; immer in Hinblick auf den marktwirtschaftlichen genauso wie kulturellen Wandel, der mit der Emergenz vermeintlich neuer Tonträger einherging. weiter lesen »

Ich höre, also bin ich

Ich höre, also bin ich aboutpixel.de © Christoph Ruhland
Wer von uns kennt sie nicht? Verunsicherte Pubertierende, aus deren Kinderzimmer oder wahlweise Handylautsprecher, erst Shakira und Britney Spears ertönen und wenig später Buschido zur Nr. Eins der spätkindlichen iTunes-Mediathek avanciert. Diese Jugendlichen loten bei solch merkwürdigen Anwandlungen oft ihre – meist nur bedingt individuellen – Wertevorstellungen und Selbstbilder aus. Eine manchmal quälende, aber zumindest fast immer elementare Lebensfrage ist dann oft: „Wer sind meine Freunde und wer denn vor allem NICHT?“ Auffällig oft findet man hier oberflächliche Bewertungsschablonen. Zumindest auf den ersten Blick. Denn dahinter stehen vielmehr tiefgreifende, psychologische Prozesse der Identitätsfindung.

Der Sound der großen Emotionen
Musik hat viele Gesichter. Egal, ob als mit blauer Tinte sauber ausgeschriebene Note, nicht ganz legale digitale Kopie auf der Festplatte oder in Form von akustischen Wellen, die sich zielgerichtet an das menschliche Ohr heranpirschen: Alles ist Musik und doch wieder nicht. Schließlich macht ein Datenträger voller akustischer Symbole noch keine Musik aus, so wie wir sie kennen. Diese entsteht erst im Zusammenspiel mit einem subjektiven Hörer bzw. Produzenten. Erst seine kognitive Aufnahme, Verarbeitung und Interpretation der akustischen Information macht aus physikalischen, akustischen Größen, erlebte, erschaffene und insbesondere gefühlte Musik.





