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	<title>Klangschreiber</title>
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	<description>Auditive Medienkulturen</description>
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		<title>Der Cocktail-Party Effekt</title>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 10:22:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mara Knapp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Klangraum]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalisieren]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, hier geht es nicht darum, wie man das perfekte Kleid für eine Party wählt. Und auch nicht um das kleine 1 x 1 des Smalltalks. Vielmehr soll das Phänomen erklärt werden, wie es möglich ist, dass man in einem Raum voller Menschen trotzdem hören kann was hinten rechts in der Ecke gesprochen wird und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/03/cocktail.jpg"><img class="alignleft  wp-image-5322" src="http://klangschreiber.de/files/2012/03/cocktail-200x300.jpg" alt="" width="151" height="197" /></a>Nein, hier geht es nicht darum, wie man das perfekte Kleid für eine Party wählt. Und auch nicht um das kleine 1 x 1 des Smalltalks. Vielmehr soll das Phänomen erklärt werden, wie es möglich ist, dass man in einem Raum voller Menschen trotzdem hören kann was hinten rechts in der Ecke gesprochen wird und das obwohl man sich gar nicht an dem Gespräch beteiligt. Wie kann man alle anderen Geräusche und Stimmen ausblenden und nur diese eine Stimme so deutlich hören?<span id="more-5313"></span></p>
<p>Der Neurowissenschaftler Mathias S. Oechslin beschäftigt sich, in dem Werk „Milieux Senores“ von Marcus Maeder, mit neurowissenschaftlichen Aspekten einer Akustik des Virtuellen. Dabei geht er vor allem auf das sogenannte „Richtungshören“ ein. In „Milieux Senores“, werden klangliche Milieus aus unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen vorgestellt. Der Fokus hier soll aber auf einigen neurowissenschaftlichen Aspekten von Oechslin liegen und die Frage beantworten, was „Richtungshören“ eigentlich bedeutet. Das „Richtungshören“ bezeichnet man häufig auch als „selektives“ oder „intelligentes“ Hören.</p>
<p>Die Lokalisation von Schallquellen ist eine Aufgabe der auditiven Wahrnehmung und dient der Raumorientierung. Es geht um die Bestimmung der Richtung und Entfernung aus der ein Schall stammt. Das menschliche Gehör ist in der Lage genaue Informationen über die Richtung und Distanz von Geräuschen zu liefern. Um die Richtung einer Schallquelle zu bestimmen, nimmt das Gehör kleinste Lautstärke- und Zeitunterschiede wahr, die zwischen den Geräuschen liegen. Das sogenannte „Richtungshören“ nutzt die Tatsache, dass Schallquellen, welche nicht in Blickrichtung liegen unterschiedlich intensiv vom menschlichen Ohr wahrgenommen werden. Wenn nicht die Richtung, sondern die Distanz gehört werden soll, achtet das Gehör auf das Verhältnis zwischen gehörter Lautstärke und produzierter Lautstärke. Es werden nicht alle akustischen Signale im selben Modus verarbeitet.</p>
<p>Besonders unser Ohr spielt eine entscheidende Rolle, bei der Lokalisierung von Schallquellen. Hinweisreize können nur von einem Ohr (monaural) oder von beiden Ohren (binaural) verarbeitet werden.</p>
<p><strong>Die Duplex-Theorie</strong><br />
Die Erklärung für das binaurale Hören geht auf Lord Rayleigh im Jahre 1907 zurück. Er stellte die Duplex-Theorie auf, die auf die Beziehung zwischen den physikalischen Eigenschaften des Schalls und der Geometrie des Kopfes zurück geht. Rayleigh unterscheidet hierfür zwei Merkmale. Zum einen die interaurale Zeit und zum anderen die Pegeldifferenz.<br />
Die interaurale Zeit stellt die Zeitverzögerung, die der Schall zum linken und rechten Ohr benötigt dar. Dieser Zeitunterschied bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass der Schall das eine Ohr früher erreicht als das andere. Kommt der Schall zum Beispiel von links, erreicht er das linke Ohr vor dem rechten Ohr, weil der Weg zum rechten Ohr weiter ist. Die Laufzeitdifferenz (ITD: Interaural Time Difference) hängt also vom Weg den der Schall zurücklegt ab. Die eingehenden Schallwellen im Ohr werden dann im Gehirn verarbeitet und es werden Rückschlüsse auf die Position der Schallquelle im Raum gezogen.</p>
<p>Die unterschiedliche Schallintensität, die u.a. von der Größe des Kopfes abhängt, bezeichnet Rayleigh als Pegeldifferenz (ILD: Interaural Level Difference). Sind zum Beispiel die Schallwellen kleiner als der Kopf, werden sie reflektiert und bilden einen „Schallschatten“. Das führt dann dazu, dass die Intensität des Schalls am linken und rechten Ohr unterschiedlich wahrgenommen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/03/Schatten.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-5314" src="http://klangschreiber.de/files/2012/03/Schatten.png" alt="" width="480" height="206" /></a></p>
<p>Diese Abbildung stellt den Schallschatten dar. Je nach Kopfgröße und Schallwellenlänge kann ein Schatten entstehen und es ist schwierig die Quelle richtig zu lokalisieren.</p>
<p>Später fand man heraus, dass tiefe Frequenzen, die kleiner als 1,5kHz sind, nur durch die Laufzeitunterschiede erkannt werden können. Bei hohen Frequenzen dagegen kann die Ortung durch die Intensitätsunterschiede des Schalls erfolgen. Die Informationen die durch die Intensitätsdifferenz gewonnen werden sind sehr wichtig. Durch das gleichmäßige Rauschen des Windes oder durch Wellen am Meer können keine genauen Informationen gewonnen werden. Dies ist erst durch die Änderung des Schalls möglich. Somit kann der Mensch auf Änderungen in seiner Umwelt besser reagieren. Auch für blinde Menschen spielt das räumliche Hören eine sehr wichtige Rolle. Es hilft ihnen, Informationen über ihre Umgebung, besser einzuordnen.<br />
In den 70er Jahren fanden Forscher heraus, dass die Duplex-Theorie das Lokalisieren von Schallquellen zu sehr vereinfacht. Die Annahmen Rayleighs basierten auf kugelförmigen Kopfmodellen. Der menschliche Kopf ist aber nicht kugelförmig. Versuche haben außerdem gezeigt, dass auch durch monaurales Hören (also hören mit einem Ohr) Schallquellen geortet werden können. Jedoch fehlen beim monauralen Hören häufig wichtige richtungsgebende Hinweise. Grundsätzlich ist es möglich, auch nur mit einem Ohr, eine Schallquelle zu lokalisieren.<br />
Der Weg des Schalls ist ein besonders wichtiger Aspekt beim Richtungshören. Denn bereits der Kopf und Oberkörper des Menschen, aber auch die Ohrmuschel filtern die Reize und somit ändert sich auch die Genauigkeit der Lokalisation.<br />
Die größten Ungenauigkeiten bei der Lokalisation von Schallquellen treten im Bereich zwischen 1500Hz und 2500Hz auf. In diesem mittleren Frequenzbereich liefert sowohl die Zeit- als auch die Pegeldifferenz keine optimalen Hinweise auf den Ort. Dennoch sind die Informationen die durch die Intensitätsdifferenz gewonnen werden sehr wichtig. Im tiefen Frequenzbereich weist der Schall an beiden Ohren die gleiche Intensität auf. Das liegt daran, dass die Wellenlängen bei tiefen Tönen viel größer als der Kopf sind und dadurch kein Schallschatten entstehen kann. Daraus folgt, dass bei hohen Tönen die Wellenlänge kleiner ist als der Kopf des Menschen wodurch ein Intensitätsunterschied an den Ohren entsteht.</p>
<p>Die Position des Kopfes ist mitentscheidend für die Lokalisation. Keine Laufzeitdifferenz entsteht, wenn die Schallquelle genau hinter oder vor der Kopfmitte ist. Dann ist der Weg zum linken und zum rechten Ohr gleich. Der Schall kann sowohl external als auch internal wahrgenommen werden. Bei einem externalen Schall handelt es sich um einen Schall der außerhalb des Kopfes entsteht und der Lokalisation der Schallquelle dient. Ein internaler Schall wird dagegen meist über Kopfhörer zugeführt. Dabei weckt es den Eindruck als würde sich die Schallquelle in der Mitte des Kopfes, der sogenannten „Medianebene“ befinden. Das scheinbare Wegbewegen des Schalls von der Kopfmitte zur Seite bezeichnen Experten als Lateralisation. Hierbei bewegt sich der Schall scheinbar von der Mitte des Kopfes weg zu den Seiten.</p>
<p>Der Präzedenzeffekt ist ein wichtiger Mechanismus des Auditiven Systems, um Schall in Räumen lokalisieren zu können. Bevor der Schall das Ohr erreicht, trifft er bereits auf reflektierende Oberflächen im Raum, die die Lokalisierung beeinflussen können. Jedoch benötigt der reflektierte Schall meist längere Zeit und im Ohr selbst hat der Schall Vorrang, der zuerst kommt. Es herrscht also auch in unserem Ohr ein „first come &#8211; first served“ Prinzip. Wer also mal etwas überhört, hat nicht gleich schlechte Ohren. Wenn zu viele Informationen gleichzeitig im Ohr eintreffen, werden einige von ihnen einfach herausgefiltert, um uns sozusagen vor zu vielen Informationen zu schützen.<br />
Es gibt sogar mathematische Überlegungen zur Berechnung der zeitlichen Verzögerung wann der Schall im Ohr eintrifft, die „Anatomische Übertragungsfunktion“. Dabei werden die Eigenschaften des akustischen Quellsignals und die Signale, die sich am Trommelfell messen lassen in Zusammenhang gesetzt. Diese Messung dient der genauen Beschreibung des Verarbeitungsprozesses bei der Lokalisation von Schallquellen.</p>
<p>Mathias S. Oechslin ist in seinen Ausführrungen der Meinung, dass die Wahrnehmung virtueller akustischer Gestaltung ein komplexer und vielschichtiger Prozess ist. Aber durch Experimente können Wissenschaftler Antworten finden, die helfen das Phänomen des Richtungshörens zu erklären. Der akustische Raum gewinnt besonders durch transdisziplinäre Untersuchungen immer mehr an Bedeutung. Auch wenn in diesem Beitrag vor allem neurowissenschaftlichen Aspekte eine Rolle spielen, darf nicht außeracht gelassen werden, dass dieser Ansatz wichtige Informationen für auditive Medien liefert. Erst durch diese Verschmelzung der Perspektiven können neue Felder entdeckt und entwickelt werden.</p>
<p>Gehen wir nun noch einmal zurück zu unserer Cocktail-Party. Wie unser Gehirn und unser Ohr in der Lage sind genau eine Stimme aus all den Stimmen heraushören zu können, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Aber „Richtungshören“ bietet für die Gestaltung klanglicher Milieus interessante Möglichkeiten. Außerdem ist selektives Hören auf jeden Fall ein spannender Prozess. Probiert es auf der nächsten Party doch einfach einmal aus und findet heraus, was hinten rechts im Eck spannendes erzählt wird. Aber passt auf! Auch alle anderen im Raum können hören, was ihr sagt. Was möglicherweise auch einmal unangenehm werden kann.</p>
<p><a href="
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=lNv4v3KQJRA">http://www.youtube.com/watch?v=lNv4v3KQJRA</a></p>
<p></a></p>
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		<title>Musik im Sport: Das legale Doping</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 12:13:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tina Höhn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkörper]]></category>
		<category><![CDATA[Joggen]]></category>
		<category><![CDATA[Laufen]]></category>
		<category><![CDATA[Motivation]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer heute Sport treibt, egal ob Hobby- oder Leistungssport, setzt auf die Kraft seiner Lieblingssongs. Besonders durch die Erfindung des MP3-Players ist das Musikhören, während des Sports nicht mehr wegzudenken. Viele Forscher beschäftigen sich daher mit dem Einfluss der Musik auf die sportliche Leistung und welche Auswirkungen das Hören der Musik während des Sports hat. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/04/joggerin.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-5586" src="http://klangschreiber.de/files/2012/04/joggerin.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a> Wer heute Sport treibt, egal ob Hobby- oder Leistungssport, setzt auf die Kraft seiner Lieblingssongs. Besonders durch die Erfindung des MP3-Players ist das Musikhören, während des Sports nicht mehr wegzudenken. Viele Forscher beschäftigen sich daher mit dem Einfluss der Musik auf die sportliche Leistung und welche Auswirkungen das Hören der Musik während des Sports hat. Ob Joggen oder Fahrrad fahren, das richtige Lied motiviert, entspannt oder lenkt einfach nur ab. Doch was macht der richtige Sound, Beat und die richtige Melodie mit dem menschlichen Körper? Kann man wirklich sagen, dass es sich bei Musik beim Sport um legales Doping handelt?</p>
<p><span id="more-5330"></span></p>
<p><strong>Die Wirkung der Musik</strong></p>
<p>Dr. Costas Karageorghis, Sportwissenschaftler der Brunel University in London, beschäftigt sich besonders mit der Wirkung der Musik auf die sportliche Leistung und Bewegung des menschlichen Körpers. Er unterscheidet zwischen vier Wegen, wie Musik die sportliche Leistung antreiben kann. Zuerst sieht er Musik als eine Ablenkung, welche die Aufmerksamkeit des Sportlers nicht auf die Anstrengung, sondern auf Reize der Umwelt lenkt und gleichzeitig eine positive Stimmung hervorruft. Zweitens ändert Musik den Erregungszustand, sodass sie als Erregungsmittel bei Wettbewerben oder zur Beruhigung eingesetzt werden kann. Drittens ist Musik das Ergebnis zwischen Rhythmus und menschlicher Bewegung, sodass die Synchronisation von Musik und Bewegung dauerhaft das sportliche Ergebnis steigert. Der letzte Punkt steht im Zusammenhang mit dem dritten Ansatz. Denn Rhythmen der Musik lassen einfacher motorische Fähigkeiten und ein angenehmeres Lernumfeld entstehen, wodurch die Leistung gesteigert wird.</p>
<p>Somit ist festzuhalten, dass Musik zum einen zur Ablenkung beim Sporttreiben dient, denn wie auch Alexander Ferrauti von der Ruhr-Universität Bochum fest gestellt hat, verringert Musik beim Sport signifikant das körperliche Belastungsempfinden und lässt die Beine lockerer werden. Das mag daran liegen, dass der Sportler die akustischen Rückmeldungen seines Körpers wie schwere Atmung wegen der Musik überhört und von der eigenen Müdigkeit abgelenkt wird. Allerdings sollte man auch vorsichtig sein, denn es ist wichtig während des Laufens auf Körpersignale zu achten und sich nicht zu überschätzen. Daher ist es ratsam, Puls und Atmung zu kontrollieren, wenn man mit Musik läuft, um sich nicht zu überanstrengen.</p>
<p>Des Weiteren steigert Musik beim Sport Lust und Laune, wenn Songs gewählt werden, die dem Sportler gefallen und dem persönlichen Musikgeschmack entsprechen. Das Lieblingslied schüttet Endorphine im Körper aus, die Schmerzen vertreiben und dem Sportler neue Kräfte geben. Nicht selten sieht man Leistungssportler kurz vor einem Wettbewerb mit Kopfhörern wie auch Dirk Nowitzki oder Usain Bolt. Ihnen hilft die Musik sich auf den Wettkampf oder das Spiel zu konzentrieren, vorzubereiten und anzutreiben. Doch auch Hobbyläufern macht es immer mehr Spaß mit Musik joggen zu gehen oder beim Kraftsport Musik zu hören. Eine Fit for Fun-Studie stellte fest, dass jeder Zweite das Laufen mit Musik bevorzugt. In Pennsylvania konnte man herausfinden, dass Jogger mit Musik leichter im Rhythmus bleiben und entspannter laufen; die Atmung wird tiefer und gleichmäßiger, wodurch die arbeitende Muskulatur mehr Sauerstoff erhält und der Trainingseffekt optimiert wird. Die Brunel University spricht sogar von einer Leistungssteigerung von 15% auf dem Laufband, wenn die richtige Musik gewählt ist. Zudem erhöht klassische Musik sogar die Leistungsfähigkeit des Gehirns.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mit der richtigen Musik läuft&#8217;s</strong></p>
<p>Die richtige Musik ist für Wissenschaftler das entscheidende Instrument. Man unterscheidet zwischen internen (rhythmischen) und externen (musikalischen) Faktoren, die die Reaktion des Zuhörers beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass interne Faktoren wichtiger sind, um die Reaktion des Menschen auf einen Song vorherzusagen. Zum einen neigen Menschen dazu, auf Rhythmen zu reagieren. Zum Anderen prägt die Melodie und Harmonie der Musik die Interpretation und Stimmung des Zuhörers. Hinzu kommt die kulturelle Wirkung der Musik, welche die Reaktion des Zuhörers beeinflusst. Zuletzt rufen Assoziationen zu einem Sound physikalische Aktivitäten hervor.</p>
<p>Wenn Musik zum Joggen ausgewählt wird, sollte der Sportler Musik wählen, die nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam ist. Rockmusik neigt dazu, dass man schneller läuft als ratsam, motiviert allerdings sehr leicht. Langsame Musik hingegen führt genau zum Gegenteil. Die Musik sollte zur eigenen Bewegung passen. Daher ist es ratsam seine Lieblingsmusik zu prüfen, in dem die Taktschläge der Musik („beats per minute“ oder bpm) und die Schritte beim Joggen pro Minute gezählt werden. Hierbei sollte immer ein Schritt auf einen Beat kommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass 120 bpm die durchschnittliche Geh-Geschwindigkeit ist und 130 bis 140 bpm die ideale Schritt- und Schlaganzahl zum Laufen ist. Des Weiteren ist der Takt entscheidend, da der Rhythmus den Ablauf der Bewegung regelt. Die Bewegung des Laufens ist ein gerader, gleichmäßiger Takt, wie bei einem 2/4- oder 4/4-Takt. So muss sich der Läufer nicht auf einen Taktwechsel konzentrieren, sondern der Takt macht das Laufen einfacher und gleichbleibender. Zudem motivieren Dur-Tonarten besser als Moll-Tonarten. Die Musik sollte keinen gleichförmigen, monotonen Rhythmus haben wie beim Techno oder krummen Takt wie Hip-Hop-Musik, da Laufbewegungen nicht statisch sind. Wichtig ist, dass es sich um vertraute Musik handelt, die Songs melodiös und positiv klingen und es positive und motivierende Texte sind, denn diese treiben an.</p>
<p>Für Abwechslung in der Musikauswahl sorgen Musikportale wie iTunes, die eine Vielzahl an Trainings-Playlisten, Alben und Titel nur für Sportler anbieten, sodass keine Langeweile auftreten kann. Besonders gut geeignete Musik zum Laufen ist Swingmusik, Samba-Rhythmen und schnellere Popmusik. Bei Kraftsportarten hilft Heavy Metal, Hardrock oder Rap, um die „gefühlte“ Trainingszeit zu verkürzen. Eine australische Internetseite, “<a title="Run2Rhythm" href="http://run2r.com/" target="_blank">run2rhythm</a>“, bietet sogar speziell von einheimischen Künstlern komponierte Laufmusik in zahlreichen Genres zum Downloaden an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Musik: Doch kein Wundermittel?</strong></p>
<p>Heute gibt es Laufveranstaltungen wie den „Run to the beat“ (<a title="Run to the Beat, London" href="http://www.runtothebeat.co.uk/" target="_blank">London</a> und <a title="Manor Run to the Beat, Basel" href="http://www.manorbaselmarathon.ch/" target="_blank">Basel</a>), die das Konzept des Sportwissenschaftlers Dr. Costas Karageorghis umsetzen. So werden entlang der Laufstrecke an verschiedenen Stellen DJs und Bands positioniert, die ein spezifisch ausgewähltes Musikprogramm spielen. Denn die Leistungssteigerung kommt nur zustande, wenn die Musik an der richtigen Stelle eingesetzt wird und mit dem richtigen Takt den Sportler von der körperlichen Anstrengung ablenkt.</p>
<p>Dennoch sollte Joggen und Sport treiben nicht grundsätzlich mit Musik verbunden werden. Eher im Gegenteil, sie sollte an Tagen eingesetzt werden, an denen der Sportler unmotiviert ist und eigentlich keine Lust hat Sport zu treiben. Der Mensch wird täglich mit Geräuschen und Lärm konfrontiert und um das Gehör zu schonen, sollte die Musik beim Laufen eine angenehme Lautstärke haben oder manchmal ganz auf Musik verzichtet werden. Auch Sportwissenschaftler sind überzeugt, dass man ohne akustische Hilfsmittel seinen richtigen Laufrhythmus findet. Letztendlich handelt es sich um einen rein psychologischen Effekt, der Emotionen hervorruft und motivierend wirkt, aber nicht auf jeden Menschen gleichwertig übertragbar ist. Denn Untersuchungen haben ebenfalls festgestellt, dass Herzfrequenz und Blutlaktatwerte beim Laufen mit Musik unverändert blieben.</p>
<p>Somit mag Musik im Sport kein Wundermittel für die neue Bestzeit sein. Dennoch beschwingt und motiviert sie viele Hobby- und Leistungssportler. Am Ende gilt die persönliche Einstellung des Sportlers. Manche horchen lieber den Klängen der Natur und konzentrieren sich auf ihren Körper und Rhythmus, andere wiederum fühlen sich durch den Rhythmus ihres Lieblingssongs beflügelt und es macht ihnen mehr Spaß Sport zu treiben als ohne Kopfhörer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<p>Bale, J.; Bateman, A.: Sporting sounds: relationships between sport and music, Abingdon,Oxon, United Kingdom, 2009.</p>
<p>Barth, P.; Hatje, T: Schneller traben im Takt, URL: http://www.fitforfun.de/sport/laufen/lauftipps/laufen-mit-musik/laufen-und-musik_aid_</p>
<p>4142.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: Die beste Musik zum Training, URL: http://www.fitforfun.de/sport/fitness-studio/thema-des-tages/playlists-fuer-den-sport-die-beste-musik-zum-training_aid_8882.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: Die besten MP3-Player zum Joggen, URL: http://www.fitforfun.de/sport/laufen/</p>
<p>ausruestung/mp3-player/laufen-mit-musik-die-besten-mp3-player-fuer-jogger_aid_7440.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: Dirk Nowitzkis Playlist, URL:  http://www.fitforfun.de/sport/ laufen/ausruestung/mp3-player/musik-als-doping-dirk_aid_7443.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: Musik als Motivator, URL: http://www.fitforfun.de/sport/laufen/lauftipps/laufen-mit-musik/wettkampf_aid_4143.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: Gefahr für die Ohren, URL: http://www.fitforfun.de/sport/laufen/lauftipps/laufen-mit-musik/lautstaerke_aid_4144.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Fit for Fun: „Rhythmus lenkt Sportler ab“, URL: http://www.fitforfun.de/sport/laufen/lauftipps/laufen-mit-musik/interview_aid_4145.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Karageorghis, C.; Priest, D.: Music in Sport and Exercise: An Update on Research and Application, URL: http://www.thesportjournal.org/article/music-sport-and-exercise-update-research-and-application, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Laumann, V.: Die richtige Musik zum Laufen, URL: http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/musik/songs-beat-rhythmus-darauf-sollten-sie-achten-12129404.bild.html, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Manor Run to the Beat, Basel, URL: http://www.manorbaselmarathon.ch/, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Run 2 Rhythm, URL: http://run2r.com/, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>Run to the Beat, London, URL: http://www.runtothebeat.co.uk/, aufgerufen am 18.03.2012.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bildrechte:</strong></p>
<p>http://www.wellnessium.de/Sport-und-Fitness_2/Laufen-und-Jogging_13/Musik-beim-Laufen-Der-ultimative-Motivationszuender_135.html</p>
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		<title>Der Sound der Marke (Teil II von II)</title>
		<link>http://klangschreiber.de/2012/05/11/der-sound-der-marke-teil-ii-von-ii/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 15:53:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lioba Schloesser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Brands]]></category>
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		<category><![CDATA[Sonic Branding]]></category>
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		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Über den Wert auf einem dynamischen Markt und die Entstehung der Markensounds Anschließend an den ersten Teil der Serie soll hier betrachtet werden, wie sich Sonic Branding in der Dynamik des Werbemarktes bewährt und welche Strategien zur anhaltenden Umsatzsteigerung genutzt werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Entstehungsprozess eines Brandsounds eingegangen und geklärt, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2530" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2020/12/SAM_1363.jpg"><img class="alignleft" src="http://klangschreiber.de/files/2020/12/SAM_1363-150x150.jpg" alt="" width="250" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">©Foto von Lioba Schlösser</p></div>
<p><strong>Über den Wert auf einem dynamischen Markt und die Entstehung der Markensounds</strong></p>
<p>Anschließend an den <a href="http://klangschreiber.de/?p=3019" target="_blank">ersten Teil der Serie</a> soll hier betrachtet werden, wie sich <em>Sonic Branding</em> in der Dynamik des Werbemarktes bewährt und welche Strategien zur anhaltenden Umsatzsteigerung genutzt werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Entstehungsprozess eines Brandsounds eingegangen und geklärt, wie diese Kriterien mit der Wirkungsweise von Sonic Branding einhergehen und sich wechselseitig beeinflussen.<span id="more-4943"></span></p>
<p><strong>Der Begriff Markenwert</strong></p>
<p>Dazu muss zuerst die generelle Bedeutung des Begriffs „Markenwert“ festgelegt werden. Der Wert der Marke hängt im Wesentlichen davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, die unverwechselbare Identität der Marke zu evozieren (Vgl.: Pysiewicz, 2009:87) Er hängt also von der Markenidentität ab und bezeichnet die Eigenschaften und Merkmale eines Brands, die dieses ausmachen und dadurch von anderen Konkurrenten abgrenzen. Somit bildet die Markenidentität in Verbindung mit dem Markenwert das Fundament aller Marktentscheidungen. Sie prägen das Selbstbild der Marke sowie die angestrebte Verbraucherwahrnehmung und beeinflussen so die Zielgruppe der potenziellen Konsumenten. Analog zum Begriff Markenidentität wird auch der Anglizismus <em>Corperate Identity</em> verwendet, der bedeutungsgleich zu verstehen ist.</p>
<p><strong>Wahlfreiheit und Markenvielfalt</strong></p>
<p>Aufgrund der zunehmenden Marken- und Angebotsvielfalt bietet sich den Konsumenten eine ganz neue Wahlfreiheit, die immer neue und innovative <em>Sonic Branding</em> Strategien erfordern. Der Bedarf, sich von der Konkurrenz abzuheben und ein individuelles Marken- und Soundimage zu präsentieren, wächst stetig.</p>
<p>Diese Steigerungsmotivation kann zu einer Überschwemmung des Marktes führen, da immer mehr Unternehmen das Konzept des <em>Sonic Brandings</em> für sich entdecken. Die Konsumenten können sich überfordert fühlen und entziehen sich infolgedessen immer mehr der Markenkommunikation, um dieser Überlastung zu entgehen. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten immer mehr Brands mit sogenannten „Emotionalisierungen“ (Ebenda, 92). Die Produzenten setzen dabei auf einfache und leicht verständliche Werbung mit kurzen Jingles, um ihre Rezipienten auf emotionaler Ebene durch Sound zu erreichen. So haben bekannte Marken mittlerweile saisonabhängige Jingles entwickelt, die ein bestimmtes, emotionsgeladenes Lebensgefühl erwecken sollen. Jede unterbewusste Entscheidung wird demnach &#8220;von emotional-sinnlichen Erlebnissen ausgelöst“, wie Pysiewicz schreibt.<br />
Natürlich muss betont werden, dass jede Form von Konsumsteigerungen immer multisensuell erfolgt und nicht alleine durch <em>Sonic Branding</em> möglich ist. Erst durch das Ansprechen mehrerer Sinne und somit der Gesamtwahrnehmung wird der Rezipient nachhaltig erreicht. Nur durch diese „Koppelung zweier physikalisch getrennter Domänen der Wahrnehmung zu einer Gesamtwahrnehmung“ (Ebenda, 93) wird der Rezipient zum Konsument. Sonic Branding muss daher immer als Teil einer ganzheitlichen Markenführung mit dynamischen Prozessen und keinesfalls als statischer Entwurf verstanden werden.</p>
<p><strong>So entsteht der Sound</strong></p>
<p>Wie aber entsteht dieser dynamische und zielgruppenorientierte Markensound und welche Techniken werden zur Entwicklung der audiovisuellen Markenpräsenz genutzt?</p>
<p>Im Wesentlichen erfolgt die Entstehung in drei Schritten. Zuerst findet eine Analyse der zu vermittelnden Markenwerte und Ideale, Marktsituation, Konkurrenz, finanziellen Lage und sonstiger Rahmenbedingungen statt. Daran anschließend können die gewonnenen Ergebnisse in klangliche-musikalische Äquivalenten umgesetzt werden. Dazu gehören Elemente wie die Markenstimme, das Jingle, das Audiologo, ein Markenlied oder der generelle Soundscape, also der umfassende Klangraum oder die „Hintergrundmusik“. Der gewünschte Sound wird dadurch im Hinblick auf die Zielgruppe definiert und es wird nach Möglichkeiten zur Umsetzung gesucht. Als letzter Schritt erfolgt diese Umsetzung durch die Komposition und Kombination der gewünschten Soundelemente. Dazu nennt Pysiewicz mehrere Möglichkeiten: Zum einen kann das Jingle über „allgemeine Klangbausteine“ generiert werden. Dazu werden musikalische Parameter wie Rhythmik, Melodik, Harmonik und Instrumentalisierung in einzelnen „Bausteinen“ zusammengestellt. Das Gesamtgefüge wird hinterher an das Markenimage und die angestrebte Zielgruppe angepasst.</p>
<p>Eine weitere Möglichkeit ist das Arbeiten mit sogenannten „Moodboards“. Hier wird beim verwendeten Referenzmaterial vor allem darauf geachtet, dass es dem angestrebten klanglichen Ausdruck entspricht, den die Marke vermitteln möchte. Die verwendeten Klänge und die akustische Konzeption müssen Kongruenz zur Markenidentität aufweisen und von der Zielgruppe als ansprechend und positiv wahrgenommen werden. Dies kann oft nur mit sehr hohem Aufwand erreicht werden, weswegen der akustische Bereich häufig nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Gesamtauftritts der Marke ausmacht. Er muss sich, einhergehend mit dem Werbemarkt, stetig verändern und den sich ändernden Gegebenheiten anpassen, weswegen auch die Forschung auf dem Gebiet Sonic Branding ein dynamischer, unabgeschlossener Prozess bleibt.</p>
<p><em>Quellen:<br />
Havenstein, Moritz: Ingredient Branding: Die Wirkung der Markierung von Produktbestandteilen bei konsumtiven Gebrauchsgütern. Gabler Edition Wissenschaft: Saarbrücken, 2003.</em></p>
<p><em>Kastner, Sonja: Klang macht Marken. Sonic Branding als Desingprozess. Gabler Edition Wissenschaft: Wiesbaden, 2008.</em></p>
<p><em>Pysiewicz, Andreas: Klangkontexte. Zwischen Ökologie und Branding. Band 1. Shaker Verlag: Aachen, 2009.</em></p>
<p><em>Ringle, Tanja: Strategische, identitätsorientierte Markenführung. Gabler edition Wissenschaft. München, 2006.</em></p>
<p><em>Steiner, Paul: Sound Branding: Grundlagen der akustischen Markenführung. Gabler Edition Wissenschaft: Wiesbaden, 2009.</em></p>
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		<title>Der Sound der Marken (Teil I von II)</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 15:48:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lioba Schloesser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer kennt sie nicht, die kurzen fünf Töne des magentafarbenen Telefonanbieters, den „Coca-Cola“ Weihnachtssong oder den Sound des „Ich liebe es“ einer Fastfoodkette. Ganze Songs haben es an die Spitze der Charts geschafft, da sie in der Werbung einer bekannten Marke zu hören waren[1]. Ob Im TV, Radio oder Internet, überall werden potenzielle Konsumenten mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2530" class="wp-caption alignleft" style="width: 255px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2020/12/SAM_1363.jpg"><img class="alignleft" src="http://klangschreiber.de/files/2020/12/SAM_1363-150x150.jpg" alt="" width="245" height="196" /></a><p class="wp-caption-text">©Foto von Lioba Schlösser</p></div>
<p style="text-align: justify">Wer kennt sie nicht, die kurzen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bPB-2RwqH0U" target="_blank">fünf Töne des magentafarbenen Telefonanbieters</a>, den <a href="https://www.youtube.com/watch?v=zYN-li4YXoQ" target="_blank">„Coca-Cola“ Weihnachtssong</a> oder den Sound des „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=oaLe9a2nNE4" target="_blank">Ich liebe es</a>“ einer Fastfoodkette. Ganze Songs haben es an die Spitze der Charts geschafft, da sie in der Werbung einer bekannten Marke zu hören waren<a href="#_ftn1">[1]</a>. Ob Im TV, Radio oder Internet, überall werden potenzielle Konsumenten mit Jingles und Markenmelodien konfrontiert. In den letzten Jahren trifft man, auch außerhalb von Fachliteratur und Werbebranche, immer häufiger auf den Begriff <em>Sonic Branding</em>. Aber was genau ist <em>Sonic Branding</em> und wie hat es sich eigentlich entwickelt? In welchen Alltagsbereichen ist die akustische Markenführung überall zu finden und wie wirkt diese Form von Markenführung auf die Konsumenten? Auf diese und weitere Fragen rund um das<em> Thema Sonic</em> Branding möchte diese Beitragssreihe eingehen.<strong><span id="more-3019"></span></strong></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><strong>Was ist <em>Sonic Branding</em>, woher kommt und wie wirkt es?</strong></p>
<p style="text-align: justify">Generell gilt, ein Produkt ist nicht gleich Marke. Ein Produkt wird zunächst einmal als reine Dienstleistung verstanden und ist somit allenfalls Erzeugnis der Produzenten einer Marke. Zur Repräsentation des Labels wird das Produkt erst durch das Markenemblem, das sogenannte Branding. Dieser Begriff stammt aus der Tierzucht und wurde im Westen der USA geprägt. Auch Tiere bekommen ein „Branding“ um sie den Besitzern zuordnen und in der Herde wieder finden zu können. Somit zeigt sich bereits in der Entstehungsgeschichte des Begriffs eine eigentliche Bedeutung. <em>Branding</em> steht für das Markieren eines Gegenstandes zur Identifikation und Wiedererkennung.</p>
<p style="text-align: justify">Dies funktioniert jedoch nicht nur durch Schrift wie das Aufdrucken der Markenlogos, sondern auch durch Klang, das sogenannte <em>Sonic Branding</em>.<em> Sonic Branding</em> bezeichnet das Prinzip der akustischen Markenführung und ist seit den neunziger Jahren ein wichtiger Teil des Corporate Design. Es handelt sich also einfach ausgedrückt um die Schaffung und Unterstützung der Markenidentität durch Klang.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Ein junges Forschungsfeld</strong></p>
<p style="text-align: justify">Die Bezeichnung<em> Sonic Branding</em> ist noch relativ jung, was auch den Theoriemangel in diesem Forschungsbereich erklärt. Denn erst nach der Kommerzialisierung von Funk und Fernsehen und der zunehmenden Finanzierung durch Werbung machte eine musikalische Unterlegung der Präsentation von Markenprodukten überhaupt Sinn. Im Hörfunk begannen Bands wie das „Vick-Vap-o-rub- Quartett“ oder „Royal Typewriter Salon Orchestra“ zwar bereits in den 20er Jahren kommerzielle Botschaften musikalisch zu unterlegen, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu erregen, doch die eigentliche Fokussierung und Forschung im Bereich <em>Sonic Branding</em> begann erst Mitte der 8Oer Jahre (Kastner, 2008: 6).</p>
<p style="text-align: justify">In den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelten sich dann die Werbejingles, die heute für den Wiedererkennungswert eines Produkts unabdingbar sind. Dieser machen sich auch diverse TV- und Radiosender zu Nutzen und steigerten mit ihren „Sonic Logos“ (Kastner, 2008: 6) ihren Wiedererkennungswert. Mittlerweile nutzen immer mehr Produzenten auch den Sound der großen Kinoleinwand, um ihre Produkte anzupreisen und so mit ihren Markenwert zu steigern. Auch die Veränderungen und Weiterentwicklung des Internets um die Jahrhundertwende haben die Möglichkeiten des <em>Sonic Brandings</em> maßgeblich beeinflusst. Der Wandel vom textuellen zum multimedialen Medium ermöglicht es vor allem großen Konzernen, wie dem Automobilproduzent Volkswagen oder dem Designerlabel Hugo Boss AG auf multimedialer Ebene für ihre Produkte zu werben (vgl. ebenda).</p>
<p style="text-align: justify">Eine weitere wichtige Plattform für <em>Sonic Branding</em> bietet der Mobilfunkmarkt. Dort entwickelten sich gerade in den letzten Jahren, mit dem Erscheinen des Smartphones, immer mehr Möglichkeiten, Marken und ihre Logos über Akustik zu definieren. Beispiele hierfür sind Klingeltöne, Warteschleifenmelodien oder die immer wiederkehrenden Sounds beim Ein- und Ausschalten des Mobilphons.</p>
<p style="text-align: justify">Die Omnipräsenz, die mit dieser Einbringung in den Alltag erreicht wird, spiegelt sich auch in der Wirkungsweise von <em>Sonic Branding</em> wieder und wirkt prinzipiell auf drei Ebenen: Beim Hören des Brandsounds wird zuerst generelle Aufmerksamkeit erregt und das Erinnerungsvermögen des Rezipienten angesprochen. Daran anschließend folgt die affektive Wirkung. Der Rezipient wird auf emotionaler Ebene angesprochen, was die unterbewusste Reaktion auf der dritten Ebene hervorrufen soll. Der Hörer soll zu konkreten Handlungen wie das Kaufen und das Konsumieren angeregt werden.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Identifikation mit der Marke</strong></p>
<p style="text-align: justify">So schaffen besonders große Labels und Marken vor allem eine Identifikationsgrundlage für die Masse. Konsumenten schreiben sich einer bestimmten Marke zu, definieren sich über „ihre“ Produkte, gründen Fanschaften und Communities, tauschen sich aus und tragen somit auch ihrerseits zur Absatzsteigerung der Produkte bei. Eine Marke vermittelt ein Lebensgefühl oder eine Einstellung gegenüber Anderen und ein Gefühl der Zugehörigkeit gegenüber sich selbst. Das Markenjingle dient als Informationsgeber und zeigt den potenziellen Konsumenten gleich beim ersten Hören Informationen über den Wert, die Qualität und das Lebensgefühl für die das jeweilige Branding steht. Somit wirkt <em>Sonic Branding</em> in erster Linie assoziativ. Der Konsument beruft sich auf vergangene Erfahrungen oder Berichte, die ihm beim Hören des Sounds in den Sinn kommen (Vgl. Havenstein 2003: 178), aber nicht zwingend mit dem betreffenden Produkt in Verbindung stehen. Es werden assoziativ Ideale und Werte der Konsumenten angesprochen, die oft eigenständig und ohne Intension der Produzenten mit dem Jingle verbunden werden. Durch diese, vom Nutzer assoziierten Stereotype kann <em>Sonic Branding </em>eine besonders breite Konsumentenmasse ansprechen, da ein Klang wesentlich mehr Interpretationsspielraum lässt, als ein Bild, ein Logo oder ein Schriftzug. Als Zwischenfazit lässt sich sagen, dass diese individuelle Freiheit in Verbindung mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten akustischer Markenführung ein breites Wirkungsfeld schafft. Somit trägt genau dieses offene Konzept wesentlich zur Absatzsteigerung der durch <em>Sonic Branding</em> beworbenen Produkte bei. An diese Erkenntnisse anschließend beschäftigt sich der <a href="http://klangschreiber.de/?p=4943" target="_blank">folgende Teil der Serie</a> unter Anderem mit dem Entstehungsprozess eines Markensounds und betrchtet die Rolle von Markenjingles auf einem dynamischen Werbemarkt.</p>
<div>
<hr size="1" />
<div>
<p style="text-align: justify"><a href="#_ftnref1">[1]</a> O²-Werbung 2010, Song: The Naked and the Famous – Young Blood</p>
<p style="text-align: justify"><em><span style="text-decoration: underline">Quellen:</span></em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Havenstein, Moritz: Ingredient Branding: Die Wirkung der Markierung von  Produktbestandteilen bei konsumtiven Gebrauchsgütern. Gabler Edition Wissenschaft: Saarbrücken, 2003.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Kastner, Sonja: Klang macht Marken. Sonic Branding als Desingprozess. Gabler Edition Wissenschaft: Wiesbaden, 2008.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Pysiewicz, Andreas: </em><em>Klangkontexte. Zwischen Ökologie und Branding. Band 1. Shaker Verlag: Aachen, 2009.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Ringle, Tanja: Strategische, identitätsorientierte Markenführung. Gabler edition Wissenschaft. München, 2006.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em>Steiner, Paul: Sound Branding: Grundlagen der akustischen Markenführung. Gabler Edition Wissenschaft: Wiesbaden, 2009.</em></p>
</div>
</div>
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		<title>Der Stimme auf der Spur – Teil 4/4 der Reihe „Die Stimme – unser akustisches Ich“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 19:24:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vanessa Mühlberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkörper]]></category>
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		<description><![CDATA[„Mein Name ist Bond. James Bond.“ Unmittelbar nachdem der smarte Agent mit der sonoren Stimme diese Worte ausgesprochen hat, öffnen sich ihm im wortwörtlichen Sinne Tür und Tor. Sämtliche Sicherheitsvorkehrungen stellen dabei für ihn kein Hindernis dar. Was einst schlicht unter die Kategorie der Science-Fiction-Romane fiel, findet in der heutigen Zeit zunehmend Akzeptanz. Die Sprecherkennung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5242" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/03/01497710.jpg"><img class="size-medium wp-image-5242" src="http://klangschreiber.de/files/2012/03/01497710-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">© Voiceprint-Stimmabdruck by Migros Magazin</p></div>
<p>„<em>Mein Name ist Bond. James Bond</em>.“ Unmittelbar nachdem der smarte Agent mit der sonoren Stimme diese Worte ausgesprochen hat, öffnen sich ihm im wortwörtlichen Sinne Tür und Tor. Sämtliche Sicherheitsvorkehrungen stellen dabei für ihn kein Hindernis dar. Was einst schlicht unter die Kategorie der Science-Fiction-Romane fiel, findet in der heutigen Zeit zunehmend Akzeptanz. Die Sprecherkennung durch die Aufnahme der individuellen Stimme einer Person zählt zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biometrie"> Biometrie. </a> Bereits früh wurde sie als Erkennungsmethode zur Personenidentifikation eingesetzt. So zählt auch die Nutzung des persönlichen Fingerabdruckes <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck"> (Daktylogramm), </a> dessen Grundstein 1892 von <a href="http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/verbrechensbekaempfung/fingerabdruecke/sir_francis_galton.jsp"> Francis Galton </a>gelegt wurde, zu diesen biometrischen Verfahren. Heute definiert man die Biometrie im Bereich der Personenidentifikation auch als „automatisierte Erkennung von Individuen“, basierend auf ihren einzigartigen physiologischen Merkmalen und ihren biologischen Charakteristika und Verhaltensweisen. Doch ist ein „Voiceprint“ wirklich mit einem Fingerabdruck vergleichbar?<span id="more-4971"></span></p>
<p>In diesem letzten Blog über die Stimme als Funktionsträgerin der Identität, Individualität und der eigenen Verortung in der sozialen Umwelt möchte ich einige weitere Aspekte des Stellenwerts und des Potenzial der Stimme in der heutigen Zeit ansprechen, um diesen herauszustellen und eine Basis für weiterführende Untersuchungen zu ebnen.</p>
<p><strong>„Stimmabdrücke“</strong></p>
<p>Anfang der 1940er Jahre wurde ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spektrogramm"> Spektograph </a> entwickelt, der aufgenommene Schallwellen in optische Muster umwandelte und diese aufzeichnete. In den Zeiten des zweiten Weltkrieges versuchten Akustikexperten mithilfe dieser Geräte feindliche Stimmen im Radio zu erkennen. So wurden nach einem Anschlag auf Adolf Hitler beispielsweise amerikanische Phonetiker beauftragt, zwei Sendungen von Hitler zu vergleichen, um herauszufinden, ob die zweite der beiden nicht von einem Double gesprochen worden war. Aus der Ähnlichkeit der beiden Spektogramme und des Klangs der beiden Aufnahmen zog man den Schluss, dass Hitler noch am Leben war. Doch erst in den 1960er Jahren wurde die Technologie verfeinert und die Definition „Voiceprint“ eingeführt. Doch ist dieser englische Ausdruck für die Stimmerkennung irreführend, da er eine Analogie zu den Finger<em>abdrücken</em> suggeriert.</p>
<p><strong>Akustische DNA-Analyse</strong></p>
<p>Während letztere allgemein ein unfehlbares Mittel zur Identifizierung einer Person sind, kennzeichnet die Bewertung von „Stimmabdrücken“ besonders im polizeilichen Kontext einer Täterüberführung lediglich eine Aussage einer, wenn auch fundierten Expertenmeinung. Bei der Stimmerkennung müssen neben den beiden eingesetzten Spektogrammen, die visualisierte Daten produzieren, auch auditive Elemente analysiert, verglichen und ausgewertet werden. Zu ihnen zählen Atemmuster, Tonfälle, Akzente und spezifische Sprechgewohnheiten, die in den beiden unterschiedlichen Aufnahmen auftreten. Und dies macht das Verfahren der Stimmerkennung immer auch zu einem subjektiven Moment, in dem nicht zweifelsfrei interpretiert und ausgelegt wird. Zudem erschweren weitere Aspekte die eindeutige Identifizierung und führen die Vorstellung einer „akustischen DNA-Analyse“ ins Aus. So variiert die Tonhöhe eines Menschen täglich, die Stimme kann (bewusst, wie unbewusst) verstellt werden und eventuelle Hintergrundgeräusche können sie weitergehend verfremden. Sogar bei eineiigen Zwillingen liegt die Fehlerquote bei 50 %. So kann die Sprechverifizierung, im Gegensatz zur Daktyloskopie, andere Verfahren der polizeilichen Verbrechensaufklärung lediglich ergänzen, sie jedoch nicht ersetzen.</p>
<p>Nichtsdestotrotz gilt die Stimme in britischen Gerichtsverfahren bereits als Beweismittel. So haben eine Reihe von Präzedenzfällen seit 1993 zu einer Zulassung der spektographischen Stimmverifikation geführt, wenn sie von Experten durchgeführt werden. Letztendlich ist es dann die Geschworenen überlassen, ob sie derartige Beweise akzeptieren oder nicht.</p>
<p><strong>Augenzeugen vs. „Ohrenzeugen“</strong></p>
<p>Doch wie ist ein Fall zu beurteilen, bei dem ein mutmaßliches Opfer die Stimme des Täters anhand von Aufzeichnungen oder sogar im direkten Hören wiedererkennt? Kann das Gehör so scharf und die Erinnerung so zuverlässig sein? Solche „Ohrenzeugen“, die sich Aufnahmen von den Stimmen Verdächtiger anhören müssen, tragen heutzutage bei polizeilichen Ermittlungen neben den üblichen Augenzeugen genauso zur Aufklärung eines Falles bei. Dennoch kann man die beiden Formen der Gegenüberstellung nicht vergleichen. Aufgrund der divergierenden Arbeitsweise des auditiven Gedächtnisses im Vergleich zur visuellen, müssen die Stimmen gegenüber den Gesichtern nacheinander, statt gleichzeitig, vorgeführt werden. Zudem verzerren mögliche momentan empfundene Emotionen der Verdächtigen wie Angst und Zorn in dem Moment der Gegenüberstellung deren Stimmen um ein vielfaches mehr als die Züge ihrer Gesichter. So liegt die Trefferquote bei einem Stimmvergleich bei  durchschnittlich nur 30%. Außerdem wird die Identifikation dadurch erschwert, dass manche Menschen besser und aufmerksamer hören und manche Stimmen markanter und dadurch leichter wiederzuerkennen sind als andere. Es ist weitaus einfacher, eine einem bereits bekannte Stimme zu identifizieren als diejenige eines Fremden.</p>
<p><strong>Die Stimme als Herausforderung</strong></p>
<p>Die Unwägbarkeiten, die jede einzelne Stimme mit sich bringt, können jedoch nicht als Defizit begriffen werden, indem die Stimme sich nicht für technische Zwecke instrumentalisieren lässt. Vielmehr birgt die Stimme in sich einen so großen Schatz an Facetten und Farben, dass sie sich nicht eingrenzen lässt. Ihre Potenzialität ist vorhanden. Vielmehr ist es die noch nicht ausreichend ausdifferenzierte Analyse der Stimme in ihrem Wesen, die zu ihrem noch unspezifischen Einsatz in den verschiedenen (technologisierten) Bereichen führt.</p>
<p>Die Einzigartigkeit einer jeden Stimme ist unbestreitbar. Sie ist das Kennzeichen des menschlichen Individuums. Genau wie die Struktur des Fingerabdruckes weist sie ihren Träger als Einzelnen aus. Der Unterschied liegt einzig darin, dass in der Über- und Vermittlung dieses individuellen Merkmals in ein festes System mit manifesten Kriterien zwar die Überführung eines Fingerabdrucks in eine Kartei aufgrund seiner lebenslangen Unveränderlichkeit möglich ist, eine solche bei der Aufzeichnung von Stimmspuren wegen ihres flüchtigen und permanent in Nuancen changierenden Charakters jedoch nicht ganz ohne Zweifel realisierbar ist. Es meint, dass nicht die vermeintliche Fehlbarkeit und mangelnde Eindeutigkeit der Stimme das Problem ist, sondern vielmehr unsere noch mangelhaften Kenntnisse über den Komplex der menschlichen Stimme und die daraus resultierende noch bestehende Unzulänglichkeit der Transformation dieser in einen weiteren funktionalen sozial-gesellschaftlichen Kontext, wie beispielsweise in den der Verbrechensbekämpfung oder in den der Stimmerkennung zugunsten einer erhöhten (Daten-)Sicherheit.</p>
<p><strong>Hören vs. Sehen?</strong></p>
<p>Nachwievor wird die Stimme als rein akustischer Klang und als vokaler Laut begriffen und dem Visuellen gegenübergestellt. Redewendungen wie „Das glaube ich nur, wenn ich es sehe“ und „Das ist Ansichtssache“, demonstrieren, wie sehr die zeitgenössische Kultur die visuelle Wahrnehmung mit Verständnis, Koordination, Überzeugung und Tatsachen verbindet und dem Visuellen den höchsten Wahrheitsgehalt zuspricht. Die Kultur unterliegt in dem Maße der Anschauung und der Präferenz des Visuellen derart, dass die Möglichkeiten, die die Stimme besitzt, bereits im Vorfeld negiert werden.</p>
<p>Schon im Vergleich der Wertigkeit eines ausgedruckten, offiziellen schriftlichen Dokumentes gegenüber der Geste des Handschlages zusammen mit den Worten „Ich gebe dir mein Wort“ wird klar, dass der Buchdruck und die Literalität den Status der Oralität verändert haben.  Während im 4. Jahrhundert v. Chr. für <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/462"> Platon </a> Menschen, die viel wussten, gleichbedeutend waren mit Menschen, die viel gehört hatten, und sich die Menschen Gott noch bis zum Beginn der Renaissance als Klang oder Vibration vorstellten, veränderte die spätere Aufklärung gänzlich das westliche Bild von der Welt und der Art ihrer sinnlichen Wahrnehmung. Demgegenüber stehen nachwievor die oralen Kulturen, deren wichtigstes Medium zur Kommunikation die Laute und Klänge der Stimme darstellen.</p>
<p>Dennoch darf nicht der Schluss gezogen werden, die Oralität als Vorgänger der Schriftlichkeit zu begreifen, und die oralen Kulturen als vorschriftliche Gesellschaften anzusehen. Auch wenn die Chronologie der Ereignisse in der westlichen Kultur dazu verführen, die Schriftlichkeit als modernen Ersatz für die frühere Oralität zu definieren, ist diese Polarisierung von keinem Nutzen. Die Literalität hat die Oralität nicht ersetzt, sondern vielmehr ergänzt. Ist die Stimme in manchen Bereichen der Schriftlichkeit gewichen, findet sie in vielen anderen Bereichen nachwievor ihren Einsatz. Nur sind wir uns dessen viel zu wenig bewusst.</p>
<p><strong>Nicht nur Sehen führt zu Wissen</strong></p>
<p>Dies zeigt uns ein Blick in den wissenschaftlichen Bereich, in dem Wahrheit, Erkenntnis und Wissen zwar auf den schriftlich tradierten und manifestierten Dokumenten fußen. Hinzu findet jedoch auch ein nachwievor steter und notwendiger mündlicher Austausch über Informationen und Wissen statt. Vorlesungen, Diskussionen und mündliche Vorträge, Arbeitsgruppen, Laborgespräche und ganze wissenschaftliche Tagungen im universitären Komplex zeigen, dass der Sprachlichkeit eine bemerkenswerte Relevanz auch in der heutigen westlichen Kultur beizumessen ist. Wissen manifestiert sich nicht nur durch das Lesen von Verschriftlichten, sondern ebenso durch das Hören von Gesprochenem. Es wird nicht nur durch schriftlich verfasste und gelesene Publikationen vermittelt und ausgetauscht, sondern auch im regen Gespräch darüber.</p>
<p>Weiterhin  betont auch der Verweis auf die in der Populärkultur etablierten und beliebten Vertonungen von Bücher aller Genres in Form von Hörspielen, vorgelesenen Ausschnitten in Radiosendungen oder auch die Vorstellung von neu erschienen Büchern in Literaturzirkel im Rundfunk u.a. den deutlich herauszustellenden Status der Mündlichkeit in der heutigen Zeit.</p>
<p>Auch im Bereich der alternativen Heilung findet die Stimme in vielfachen Bereichen seinen Einsatz. Seien es Gesprächs-, Gesangs-, oder Schreitherapien oder auch die beruhigende und unterstützende „Vertonung“ der Meditation und einzelner Yogabungen durch das Begleitmedium Stimme. Überall begegnet sie uns und überall bedienen wir uns ihrer.</p>
<p><strong>Fokus auf die Stimme </strong></p>
<p>Es macht aufmerksam darauf, die Stimme weniger ausschließlich im Vergleich oder in der Gegenüberstellung zum Visuellen oder zum Literalen zu sehen. Vielmehr sollte der (analytische) Blick einmal gänzlich auf die Stimme an sich gelegt und die Ohren geöffnet werden für das, was sie uns noch alles zu sagen hat. Und das ist viel mehr, als das, was wir zu diesem Zeitpunkt glauben zu wissen.</p>
<p><strong>Stimme ist nicht nur Sprache</strong></p>
<p>Zudem bleibt bei aller Diskussion über Oralität zumeist die wirkliche, körperliche Stimme unerwähnt. Denn statt ihre parasprachliche, körperbetonte Komponente zu betonen, wird die Stimme im Kontext der Mündlichkeit verkürzt mit der Rede gleichgesetzt. Dabei wird keine Differenzierung zwischen dem <em>Wortklang</em> und dem <em>Wortlaut</em> vorgenommen. Die Argumentationen laufen in die falsche Richtung, wenn man den Unterschied zwischen oraler und literaler Kultur ausnahmslos darin sieht, dass in der einen die Worte nur flüchtig gesprochen und in der anderen zusätzlich noch zeitüberdauernd verschriftlicht werden. Ein wesentlicher Unterschied liegt eher darin, dass die oralen Gesellschaften die parasprachlichen Elemente der Stimme erkennen und betonen, während die literale Gesellschaft dies größtenteils übersieht beziehungsweise „überhört“. Beschäftigen sich Linguisten mit der Stimme, setzten sie diese oftmals mit der Sprache gleich. Zwar gehören beide durchaus zusammen, doch werden zu enge Grenzen in dem umfassenden Verständnis der Stimme gesetzt, wird die Stimme nicht auch zeitweise ohne ihre sprachliche Komponente gedacht. Steht dann doch einmal die Akustik im wissenschaftlichen Fokus,  geht es oftmals darum, wie wir durch die Stimme unsere Gedanken und Redeweisen formen und herausstellen können. Ungeachtet aber bleiben die expressiven, flüchtigen Aspekte der körperlichen Stimme. „All das, was aus dem Mund einer Person dringt, an das Ohr einer anderen Person gerichtet wird, und die spontane, persönliche Antwort, die das eigene Ohr empfängt.“ Erst durch die Vorgänge in unserem Körper wird der Klang, aus dem die Stimme mitunter besteht, mit Bedeutung aufgeladen. Diese wird durch Schwingungen transportiert und gelangt an das Ohr und generiert dort weitere, womöglich divergierende Bedeutungen (In diesem Zusammenhang sei auch auf meine beiden Blogeinträge <a href="http://klangschreiber.de/?p=3074">&#8220;Klang der Gefühle&#8221;</a> und <a href="http://klangschreiber.de/?p=4963">&#8220;Im stimmlichen Einklang&#8221;</a> gesondert hingewiesen, die sich mit dieser Thematik nocheinmal dezidiert auseinandersetzen).</p>
<p><strong>Ergebnis und Ausblick</strong></p>
<p>Will man diese Besonderheiten in Worte fassen, neigen die Studien schnell zu Abstraktionen. Die Wissenschaftler stehen vor einem mehrfachen Problem. Zum einen sind es die diffizilen Studien darüber, was als variables Stimmprodukt von dem einen Körper produziert und ausgesendet wird und zum anderen welches Produkt bei dem Empfangenen ankommt und wie es wie es von seinem Körper situationsabhängig angenommen und übersetzt wird. Dies macht darauf aufmerksam, dass für ein genaueres Verstehen des Wunderwerks der menschlichen Stimme weitere Analysen der vielfachen Probleme und Kriterien, die bei der Bestimmung dieser auftauchen, notwendigerweise zukünftig zu leisten sind, will man im nächsten Schritt die Stimme für technische Sicherheitszwecke funktionalisieren.</p>
<p>Und vielleicht kommen wir ja bald dem persönlichen Traum näher und stehen wirklich einmal an der eigenen Wohnungstür und schlüpfen in die Rolle des Superagenten 007 Mr. Bond, dem sich Tür und Tor öffnen, sagt er nur:</p>
<p>„<em>Bond. Mein Name ist James Bond</em>.“- Ganz im Sinne: For your <em>ears </em>only!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellenverzeichnis:</strong></p>
<p>Göttert, Karl-Heinz: <em>Geschichte der Stimme</em>. Köln: Wilhelm Fink Verlag 1998.</p>
<p>Hollien, Harry Francis: <em>The Acoustics of Crime. The New Science of Forensic Phonetics</em>. New York: Springer US 1990.</p>
<p>Hollien, Harry Francis: <em>Forensic Voice Identification</em>. San Diego: Academy Press 2002. Abrufbar unter: <a href="http://books.google.de/books?id=X8_Jo-pHcKMC&amp;printsec=frontcover&amp;dq=hollien+harry+forensic+voice+identification&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=ZSNdT77qGozvsgbSt6nvCw&amp;ved=0CDoQ6AEwAA#v=onepage&amp;q=hollien%20harry%20forensic%20voice%20identification&amp;f=false">http://books.google.de/books?id=X8_Jo-pHcKMC&amp;printsec=frontcover&amp;dq=hollien+harry+forensic+voice+identification&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=ZSNdT77qGozvsgbSt6nvCw&amp;ved=0CDoQ6AEwAA#v=onepage&amp;q=hollien%20harry%20forensic%20voice%20identification&amp;f=false</a></p>
<p>Lehmann, Christian: <em>Sprachliche &#8211; parasprachliche &#8211; nichtsprachliche Kommunikation</em>. <a href="http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html">http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html</a>. (20.02.2012).</p>
<p>Planet Wissen: <em>Sir Francis Galton</em>. <a href="http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/verbrechensbekaempfung/fingerabdruecke/sir_francis_galton.jsp">http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/verbrechensbekaempfung/fingerabdruecke/sir_francis_galton.jsp</a>. (19.02.2012).</p>
<p>Spiegel Online Kultur: <em>Projekt Gutenberg-DE. Platon</em>. <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/462">http://gutenberg.spiegel.de/autor/462</a>. (22.02.2012).</p>
<p>Scherer, Thomas M.: <em>Stimme, Emotion und Psyche. Untersuchungen zur emotionalen Qualität der Stimme</em>. Frankfurt am Main: Deutsche Bibliothek 2000.</p>
<p>Sowodniok, Ulrike: <em>Funktionaler Stimmklang – ein Prozess mit Nachhalligkeit</em>. In: <em>Funktionale Klänge. Hörbare Daten, klingende Geräte und gestaltete Hörerfahrungen</em>. Hg. von Georg Spehr. Bielefeld: transcript Verlag 2009. S. 101-126.</p>
<p>Wikipedia: <em>Biometrie</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biometrie">http://de.wikipedia.org/wiki/Biometrie</a>. (19.02.2012).</p>
<p>Wikipedia: <em>Fingerabdruck</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck">http://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck</a>. (19.02.2012).</p>
<p>Wikipedia: <em>Spektogramm</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spektrogramm">http://de.wikipedia.org/wiki/Spektrogramm</a>. (19.02.2012).</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Stimme. Macht. Geschlecht. –Teil 3/4 der Reihe „Die Stimme – unser akustisches Ich“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 19:22:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vanessa Mühlberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schonmal eine zierliche Barbie unterm Weihnachtsbaum liegen gehabt, die einem solche Botschaften wie „Angriff!“, „Die Rache ist mein!“ oder auch „Tote lügen nicht!“ in einer tiefen, blechernen Tonlage entgegenbellt? Oder vielleicht eine muskelbepackte GI-Joe-Actionfigur, die in säuselndem Quietschton danach fragt, wann ihre Traumhochzeit denn endlich sei und welche Kleider sie dazu tragen solle? Manche Kinder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5200" class="wp-caption alignleft" style="width: 285px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/02/gross_kommunikation.jpg"><img class=" wp-image-5200" src="http://klangschreiber.de/files/2012/02/gross_kommunikation-300x240.jpg" alt="" width="275" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">©&quot;Kommunikation&quot; by Melanie Kempa</p></div>
<p>Schonmal eine zierliche Barbie unterm Weihnachtsbaum liegen gehabt, die einem solche Botschaften wie „Angriff!“, „Die Rache ist mein!“ oder auch „Tote lügen nicht!“ in einer tiefen, blechernen Tonlage entgegenbellt? Oder vielleicht eine muskelbepackte GI-Joe-Actionfigur, die in säuselndem Quietschton danach fragt, wann ihre Traumhochzeit denn endlich sei und welche Kleider sie dazu tragen solle?<span id="more-4965"></span></p>
<p>Manche Kinder werden an Weihnachten 1989 nicht schlecht gestaunt haben eine Killerbarbie oder einen Säuselsoldaten als Geschenk auszupacken. Verantwortlich für diese Aktion ist die in New York ansässige <a href="http://sniggle.net/barbie.php"> &#8220;Barbie Liberation Organization&#8221; </a> (BLO), die damit auf die Verwendung von sexistischen Stereotypen in der Spielwarenindustrie aufmerksam machen wollte. Nachdem die <em>BLO</em> erfahren hatte, dass für die sprechenden Barbies und die GI-Joes die gleiche Elektronik verwendet wurde, kaufte sie etwa 400 Exemplare der beiden Figuren auf, tauschte die Stimmspeicherchips aus und brachte sie pünktlich zu Weihnachten zurück in die Geschäfte.</p>
<p><strong>Typisch männlich, typisch weiblich?</strong></p>
<p>Diese Aktion zeigt, dass die Stimme ein solch relevantes Merkmal unserer Identität ist, dass die BLO wohl keine größere Entrüstung hätte auslösen können, hätte sie bei den Figuren eine Geschlechts-, statt einer Stimmtransformation vorgenommen.</p>
<p>Es macht außerdem auf den Zusammenhang der typisierten geschlechtlichen Stimmrollen zwischen Natur und Norm aufmerksam. Die typische Art, wie Männer und Frauen sprechen, ist auf der einen Seite ein Abbild der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Auf der anderen Seite tragen aber eben diese typischen Sprecharten auch aktiv dazu bei, solche Anschauungen entstehen zu lassen. Da die Stimme ein Faktor ist, der uns in unsere gesellschaftlichen Rollen verankert, ist es von entscheidender Bedeutung, wie eine Frau beziehungsweise ein Mann zu klingen, um als Frau beziehungsweise Mann akzeptiert zu werden.</p>
<p><strong>Vorhandenes oder Erlerntes?</strong></p>
<p>Die Frage ist, haben Frauen und Männer nun die für ihre Gesellschaft typischen Sprechweisen erlernt, deren Unterschiede sich größtenteils auf Konventionen und Erziehung zurückführen lassen? Oder aber hat sie die Natur mit unterschiedlichen Stimmen ausgestattet, die im Folgenden kulturell unterschiedlich bewertet wurden?</p>
<p>Die mittlere Stimmlage der Männer liegt bei durchschnittlich 120 Hz und bei Frauen bei etwa 225 Hz. Dass Männer normalerweise tiefer sprechen als Frauen, liegt an ihrem größeren Kehlkopf und an den längeren, dickeren Stimmfalten, die aus der körperlichen Entwicklung in der Pubertät resultieren. Doch die Pubertät ist nur ein Aspekt, der zu den Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Stimmen beitragen kann. (Der erste Blogbeitrag der Reihe setzt sich nocheinmal differenziert mit dem grundlegenden <a href="http://klangschreiber.de/?p=3074">Phänomen der Stimme</a> und seinen Bedingungen auseinander). Denn jede Kultur bildet ihre eigenen zeitweiligen Geschlechtsnormen und –konventionen heraus, die weit über die biologischen Differenzen hinaus gehen können.</p>
<p>Die eine Forschungsrichtung vertritt dabei den Standpunkt, dass ein Großteil des nonverbalen Verhaltens der Menschen nicht naturgegeben sei. Es habe sich demnach entwickelt, um die Geschlechtsunterschiede zu betonen und die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Der Mensch wird also durch seine Umwelt und die in ihr vertretenen Ansichten so beeinflusst, dass diese auf den Körper zurückwirken. Die sozialen Codes werden in diesem Prozess dermaßen verinnerlicht, dass beispielsweise Männer oftmals aus dem Bauch heraus atmen als Frauen, und damit ein dröhnendes Männerlachen erzeugen können.</p>
<p>Bereits Kinder lernen sehr früh, was für ihr Geschlecht als „angemessen“ gilt. Bereits in der konventionellen Familienstruktur lassen sich erste Hinweise finden. So spricht die Mutter meist weicher und fürsorglicher, demgegenüber der Vater mit einer eher robusteren und durchdringenderen Stimme kommuniziert und die Kinder sich daran orientieren. Befinden sich die Kleinen beispielsweise in einem Spiel, in dem sie einen männlichen Arzt oder eine weibliche Krankenschwester mimen, imitieren sie diese Figuren mit einer tiefen beziehungsweise verstellten hohen Stimmlage. (An diesem Punkt ließen sich natürlich einige weitere genderspezifische Aspekte hinterfragen und weiterführen, die in diesem Blog jedoch ausgespart werden müssen.)</p>
<p>Auch der Einfluss der Medien ist selbstverständlich keineswegs zu unterschätzen. So sprechen coole männliche Idole wie zum Beispiel Clint Eastwood sehr rau, kräftig und tief und beschränken sich auf einen geringen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Intonation_(Sprachwissenschaft)"> Intonationsumfang </a>, zu dem auch eine stimmliche Zurückhaltung und Einsilbigkeit gehören. Demgegenüber sprechen die weiblichen Akteure meist in einer zarten, zerbrechlichen und höheren Stimme, spielen dabei mit der Intonation und agieren emotionaler und expressiver.</p>
<p><strong>Sprich mit mir…</strong></p>
<p>Solange unser Gegenüber noch nicht gesprochen hat, fehlt uns eine Komponente, um ihn einzuschätzen. Seine Stimme kann den Gesamteindruck bestätigen oder ihn unterlaufen. Durch das Hören der Stimme unseres Gegenübers entscheiden wir, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht. Gleichzeit schreiben wir der Person einen bestimmten sozialen Status zu. Ausdrucksstarke Stimmen wecken Assoziationen wie Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein, das uns wiederum schlussfolgern lässt, dass unser Gegenüber beruflich u.a. erfolgreich ist. Wie man wirkt, liegt also nicht nur an der eigenen Präsentation seiner Stimme, sondern auch daran, wie der Hörer sie aufnimmt, und welche Interpretationen sie bei demjenigen auslösen.(Zur näheren Beschäftigung sei an dieser Stelle auch auf den vorhergehenden Blogbeitrag verwiesen, der sich mit <a href="http://klangschreiber.de/?p=4963"> der Wirkung der eigenen Stimme </a> auf andere Personen auseinandersetzt.)</p>
<p>Schließlich führen zahlreiche Faktoren wie der soziale, gesellschaftliche, kulturelle, mediale u.a. Kontext dazu, dass Männer eher so sprechen, als wären sie größer, und Frauen, als wären sie kleiner, als sie in Wirklichkeit sind. Nichtsdestotrotz sollten keine Pauschalisierungen und Allgemeindefinitionen vorgenommen werden. Wird eine objektive Beurteilung der Unterschiede zwischen Männer- und Frauenstimmen doch noch zusätzlich dadurch erschwert, dass sich unsere Stimme ändert, je nachdem, mit wem wir wann, wo, in welcher Situation über was reden.</p>
<p>Die Vermutung, dass Mann wie Frau ihre Stimme nutzen, um bestimmte, gesellschaftlich anerkannte Merkmale des eigenen Geschlechts hervorzuheben, kann jedoch nicht gänzlich abgestritten werden. Es würde dem Gedanken folgen, dass wir unsere naturgegebenen geschlechtlichen Stimmenunterschiede hinsichtlich der gesellschaftlich erwünschten Konventionen weiter formen und ausdifferenzieren. So würden sich Natur und Norm ergänzen.<br />
Ein <a href="http://maedchenmannschaft.net/geschlecht-wird-konstruiert-auch-mit-der-stimme/"> kurzer filmischer Beitrag </a> beschäftigt sich eben mit dieser Ambivalenz des genetisch Vorhandenen und des Erlernten, in dem es die geschlechterorientierte Konformität von weiblichen und männlichen Stimmen problematisiert.</p>
<p><strong>Andere Kulturen – andere Stimmen?</strong></p>
<p>Bezogen sich die bisherigen Ausführungen zu den typischen Männer- und Frauenstimmen als minimaler Konsens eher auf die westliche Gesellschaft an sich, klingen die Männer-, wie Frauenstimmen weltweit natürlich nicht gleich.</p>
<p>Die Polen sprechen beispielsweise in einer höheren Stimmlage als die Amerikaner, die wiederum mit einer erheblich tieferen Stimme sprechen als die deutschen Männer. Und deutet beispielweise die Tatsache, dass die mexikanischen Männer um einiges lauter sprechen als die Amerikaner, auf unterschiedliche Definitionen von Männlichkeit beziehungsweise auf unterschiedliche kulturelle Erwartungen bezüglich ihres Auftrittes hin?</p>
<p>Die kulturellen Unterschiede bei Männer- und Frauenstimmen können einen deutlichen Aufschluss über die Leit- und Wunschvorstellungen, Konventionen und Werte einer Gesellschaft geben.</p>
<p>So sprechen beispielsweise die Japanerinnen im Vergleich zu den meisten Kulturen mit einer höheren Stimme. Dadurch versuchen sie sich akustisch von den Männern zu unterscheiden. So können sie in einer Frequenz mit einem Höchstwert von 450 Hz sprechen, wohingegen die Engländerinnen nie über einen Wert von 320 Hz kamen. Japanische Männer sprechen jedoch in einer tieferen Stimmlage als die Briten, obwohl sich ihr Stimmumfang nicht wesentlich unterscheidet.</p>
<p>Man könnte vermuten, dass die extrem hohen Stimmen der Japanerinnen womöglich durch ihre Körpergröße oder durch die Eigenheiten der japanischen Intonation bedingt sind. Müssten dann nicht auch die japanischen Männer eine eher höhere Stimmlage aufweisen? Es spricht einiges mehr dafür, dass der große Unterschied in den Tonhöhen eher bestimmte Geschlechterrollen und gesellschaftliche Konventionen widerspiegelt, wie sie bis vor kurzem in der japanischen Gesellschaft vorherrschten. So versuchten sich die Frauen durch ihre Stimme eher klein zu machen, indem sie ihren Kehlkopf dahingehend einsetzten. In Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext, der typisch weibliche Tugenden wie Bescheidenheit, Unschuld, Unterwürfigkeit und Hilflosigkeit in der japanischen Kultur betont, wird jenes Verhalten begründet.</p>
<p><strong>Ergebnis </strong></p>
<p>Meine Ausführungen konnten nur einen kleinen Einblick in die weiten und durchaus kontroversen Forschungsbereiche erlauben und einige Blickwinkel durch Einzelbeispiele illustrieren. Dennoch lässt sich ein (vorläufiges) Ergebnis formulieren. So kann die Stimme durchaus als etwas sehr Individuelles und Einzigartiges gekennzeichnet werden. Zugleich aber ist sie auch immer ein Spiegel ihres kulturellen und gesellschaftlichen Umfeldes. Dabei ist zu beachten, dass eine Kultur respektive eine Gesellschaft sich fortwährend im Wandel befindet und keine Statik besitzt. Genauso entwickelt sich auch die Sprache und mit ihr die Stimme stetig weiter. Deshalb ist es wichtig fortwährend im Gespräch darüber zu bleiben –</p>
<p>Und so eben auch mal zwischen den Zeilen zu hören!</p>
<p>In <a href="http://klangschreiber.de/?p=4971">meinem letzen Blog</a> der Stimm-Reihe wird es einen abschließenden Ausblick auf die weiteren Möglichkeiten des Stimmeinsatzes in der modernen Gesellschaft geben, in dem auch Mr. James Bond zu Wort kommen wird&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellenverzeichnis:</strong></p>
<p>Göttert, Karl-Heinz: <em>Geschichte der Stimme</em>. Köln: Wilhelm Fink Verlag 1998.</p>
<p>Graddol, David und Hoan Swann: <em>Gender Voices</em>. Oxford: Wiley-Blackwell 1989.</p>
<p>Henley, Nancy: <em>Body Politics: Power, Sex &amp; Nonverbal Communication. Patterns of Social Behaviour Series</em>. Michigan: Prentice-Hall 1984.</p>
<p>Lehmann, Christian: <em>Sprachliche &#8211; parasprachliche &#8211; nichtsprachliche Kommunikation</em>. <a href="http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html">http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html</a>. (09.03.2012).</p>
<p>Mädchenmannschaft: <em>Stimme X/Y</em>. <a href="http://maedchenmannschaft.net/geschlecht-wird-konstruiert-auch-mit-der-stimme/">http://maedchenmannschaft.net/geschlecht-wird-konstruiert-auch-mit-der-stimme/</a>. (09.03.2012).</p>
<p>Sniggle.net: <em>Barbie Liberation</em>. <a href="http://sniggle.net/barbie.php">http://sniggle.net/barbie.php</a>. (1.03.2012).</p>
<p>Sowodniok, Ulrike:<em> Funktionaler Stimmklang – ein Prozess mit Nachhalligkeit. In: Funktionale Klänge. Hörbare Daten, klingende Geräte und gestaltete Hörerfahrungen</em>. Hg. von Georg Spehr. Bielefeld: transcript Verlag 2009. S. 101-126.</p>
<p>Scherer, Thomas M.: <em>Stimme, Emotion und Psyche. Untersuchungen zur emotionalen Qualität der Stimme</em>. Frankfurt am Main: Deutsche Bibliothek 2000.</p>
<p>Valentine, Carolin Ann und Banisa Saint Damian: <em>Gender and Culture as Determinants of the &#8220;Ideal Voice&#8221;.</em> In: Semiotica 71/3 und 4. 1988.</p>
<p>Wikipedia: <em>Prosodie</em>. http://de.wikipedia.org/wiki/Prosodie. (08.12.2011).</p>
<p>Wikipedia: <em>Intonation (Sprachwissenschaft).</em> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Intonation_(Sprachwissenschaft">http://de.wikipedia.org/wiki/Intonation_(Sprachwissenschaft</a>). (1.03.2012).</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Im stimmlichen Einklang &#8211; Teil 2/4 der Reihe „Die Stimme – unser akustisches Ich“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 19:19:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vanessa Mühlberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eines Abends langweilte sich die amerikanische Schriftstellerin Dorothy Parker schrecklich auf einer Dinnerparty. Jedes Mal, wenn ein flüchtiger Bekannter sie begrüßte und fragte, wie es ihr ginge und was sie so mache, antwortete sie: „Oh, ich habe gerade meinen Ehemann mit einer Axt erschlagen und fühle mich großartig.“ Da sie jenen Satz jedoch in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5136" class="wp-caption alignleft" style="width: 271px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/02/gummibaerchen_3_01.png"><img class=" wp-image-5136" src="http://klangschreiber.de/files/2012/02/gummibaerchen_3_01-300x247.png" alt="" width="261" height="247" /></a><p class="wp-caption-text">© Bunte Kommunikation by 3in1 marketing pr organisation</p></div>
<div class="mceTemp">
<p>Eines Abends langweilte sich die amerikanische Schriftstellerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_Parker">Dorothy Parker </a>schrecklich auf einer Dinnerparty. Jedes Mal, wenn ein flüchtiger Bekannter sie begrüßte und fragte, wie es ihr ginge und was sie so mache, antwortete sie:</p>
<p>„<em>Oh, ich habe gerade meinen Ehemann mit einer Axt erschlagen und fühle mich großartig</em>.“</p>
<p>Da sie jenen Satz jedoch in einem Tonfall aussprach, der üblicherweise der Etikette des Smalltalks auf Partys entspricht, lächelten jene Partygäste einfach, nickten freundlich und zogen ohne den geringsten Ausdrucks des Erschreckens weiter. Wie kann das sein?</p>
</div>
<div class="mceTemp"><span id="more-4963"></span></div>
<p>Mal abgesehen von der offensichtlichen Oberflächlichkeit jener Konversation, bei der keiner der beiden Gesprächspartner an einer tiefergehenden Unterhaltung interessiert zu sein schien, wollte Parker damit das ungleiche Verhältnis von Wortklang zu Wortlaut demonstrieren. Demnach können die der nonverbalen<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache"> Parasprache </a> zugeordneten Merkmale der stimmlichen Tonlage, der Lautstärke und des Tempos wichtiger sein als der in diesem Fall sehr erschütternde Inhalt. (Eine grundlegende Einführung in das Phänomen der Stimme wird auch in <a href="http://klangschreiber.de/?p=3074">meinem ersten Blogeintrag</a> geleistet.)</p>
<p><strong>Eigene bunte Stimmwelten</strong></p>
<p>Doch ist in diesem Punkt auch Vorsicht zu genießen und eine vorschnelle Verallgemeinerung des populären Modells des Akademikers <a href="http://psycentral.wordpress.com/2009/03/03/body-language-myth-7-38-55-rule-dr-gary-wood-psycholog/"> Albert Mehrabian </a> abzulehnen, demnach in der menschlichen Kommunikation lediglich sieben Prozent der Bedeutung durch den verbalen Ausdruck (Wortlaut) und der Rest durch die Stimme (38%) und die Mimik (55%) vermittelt werden. Seine Untersuchungen beziehen sich vorallem auf die Mitteilungen von Gefühlen und Haltungen und sind nicht auf jede beliebige Botschaft anzuwenden. Die Sprache und die Parasprache sind immer auch als nicht absolut trennbares Kommunikationssystem zu begreifen, deren Grenzen fließend sind. So besitzt die Intonation beispielsweise eine sprachliche und nichtsprachliche Funktion, das an dem englischen Wort „conduct“ illustriert werden kann, das je nach Betonung entweder ein Substantiv oder ein Verb kennzeichnet.</p>
<p>Weiterhin hängt der Inhalt und die Wortwahl einer Botschaft (<em>was</em>) und die Weise der Über- und Vermittlung dieser (<em>wie</em>) in hohem Maße davon ab, wem wir etwas wo, wann, in welchem Kontext und aus welchen Gründen sagen. So verfügen wir je nach Lebenslage über ganz verschiedene Stimmen. Halten wir beispielsweise eine Präsentation an der Uni oder auf der Arbeit, wird unsere Stimme eher formal und aufmerksam klingen. Um eine angemessene, eher tiefere Tonlage, eine mäßige und ruhige Sprechgeschwindigkeit, und eine für das Publikum hörbare Lautstärke und eine deutliche Artikulation bemüht, versuchen wir Kompetenz durch unsere Stimme und Präsenz auszustrahlen. Befinden wir uns hingegen im Gespräch mit unseren Freunden in einer Bar werden wir eher ungezwungen mit variierenden Tonhöhen, Lautstärken, Tempi und Betonungen sprechen.</p>
<p>Auch macht es einen Unterschied, ob wir mit uns bekannten oder völlig fremden Menschen sprechen, ob unser Gegenüber eher jünger, im gleichen Alter oder deutlich älter ist als wir. So ist es interessant zu sehen, dass vorrangig Frauen beinahe eine ganz Oktave höher sprechen, wenn sie ein Baby oder auch einen kleinen Welpen oder ein süßes Kätzchen erblicken und dabei teilweise eine ganz neue Sprache, aus befremdlichen Lauten bestehend, entwickeln.</p>
<p>Hier zeigt sich, dass wir unsere Stimme auf der einen Seite ganz automatisch an die gegebenen Situationen anzupassen scheinen, ohne im Vorfeld darüber groß reflektiert zu haben. Auf der anderen Seite nehmen wir in jeder Situation auch immer eine bestimmte Kontrolle und Lenkung unserer eigenen Selbstdarstellung nach außen hin vor.</p>
<p>So, wie wir uns durch unsere Denkweisen, aber auch durch unser Aussehen definieren, so drücken wir auch mittels unserer Stimme, durch das, <em>was</em> wir sagen, aber eben auch durch das, <em>wie</em> wir etwas sagen, unsere eigene Person gegenüber anderen aus. Wir verorten uns aktiv und bewusst durch unsere Stimme in unserer Umwelt, so wie wir auch durch unsere Stimme positioniert und von unserer Umwelt bewertet werden, ohne es wiederum selbst gänzlich und direkt beeinflussen zu können.</p>
<p><strong>Die Stimme als Harmonieträger….</strong></p>
<p>Diese Ambivalenz der bewussten, wie eben auch unbewussten Stimmveränderung, die auch auf einer grundlegenden Verhaltens- und Einstellungsänderung gründet, lässt sich genauer an den beiden Phänomenen der <em>Konvergenz</em> (Annäherung) gegenüber der <em>Divergenz </em>(Auseinanderstreben, Abweichung), die auf die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Communication_accommodation_theory"> &#8220;Speech-accomodation-Theory </a>&#8221; zurückgehen, gut illustrieren.</p>
<p>Wir kennen alle die Situation, in der man jemanden Bekanntes beim Telefonieren zuhört, und oftmals bereits am Klang seiner Stimme und seiner Sprechweise erkennen kann, mit wem derjenige gerade spricht, denn die Stimme verändert sich wie beschrieben, je nach der Situation. Das Sprechtempo, die Pausensetzung, die Tonhöhe, die Lautstärke und die Akzente u.a. werden an den Gesprächspartner angepasst. In diesem Moment versuchen die Kommunikationsteilnehmer eine Angleichung an ihren Interaktionspartner vorzunehmen, was in der Lingusitik als <em>Akkomodation</em> (Anpassung)  bezeichnet wird. Der in unserem Inneren verankerte Wunsch nach sozialer Integration, Akzeptanz und Identität veranlasst uns bewusst, wie unbewusst dazu. Die Stimmakkomodation schafft ein positives Gefühl der Übereinstimmung mit einer Person. Sie dient dazu, einen Menschen für sich einzunehmen – und je mehr man auf Anerkennung aus ist, desto mehr wird man sich (para-)sprachlich an sein Gegenüber anpassen. Zudem erlaubt der Grad der Angleichung auch Rückschlüsse darüber, inwieweit der Gesprächspartner akzeptiert wird oder nicht.<strong> </strong></p>
<p><strong>….oder als Stifter von Antipathie</strong></p>
<p>So steht demgegenüber die <em>Divergenz</em>, indem der Gesprächspartner durch die Missachtung seines Gegenübers an den eigenen individuellen Sprachgewohnheiten festhält und damit symbolisch die eigene Identität und das eigene Wertesystem betont und sich so über die Person des Anderen stellt. Die Kommunikation kann durch diese Unvereinbarkeit deutlich gestört werden und trägt ferner dazu bei, wie wir einen Menschen letztendlich bewerten.</p>
<p>Gleichen wir uns also im Gespräch einander an, wird eine positive Basis geschaffen, wir fühlen uns wortwörtlich „auf einer (Klang-)Wellenlänge“ und finden unser Gegenüber sympathisch. Beharrt dagegen einer der Gesprächspartner strikt auf seiner Sprachgewohnheit, impliziert dies Desinteresse und wir scheinen mit demjenigen nicht „auf einen Nenner“ zu kommen und bewerten ihn als eher unsympathisch.</p>
<p><strong>Im „Ein-Klang“ sein</strong></p>
<p>Auch die Redensart „gleich und gleich gesellt sich gern“ kann in diesem Komplex seine Berechtigung finden. So ließ sich in verschiedenen Experimenten feststellen, dass Menschen andere Menschen grundsätzlich sympathischer, kompetenter und sozial attraktiver einschätzten, wenn diese eine Ähnlichkeit in ihrem Sprachtempo, in ihrem Rhythmus, in ihrer Tonhöhe und ihrer Lautstärke aufwiesen.  Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Phänomen, dass sich Menschen, die über einen längeren Zeitraum hinweg öfter miteinander sprechen, in ihren Stimmen teilweise einander anpassen und durch diesen wortwörtlichen „Einklang“  eine harmonische Basis schaffen.</p>
<p><strong>Stimme ist Macht</strong></p>
<p><em>Konvergenz</em> und <em>Divergenz</em> laufen grundlegend eher unbewusst ab und treffen für uns quasi bereits eine Vorauswahl derjenigen Gesprächspartner, mit denen wir mehr Zeit verbringen wollen. Nichtsdestotrotz lassen sich die Erkenntnisse zu diesem Forschungsbereich für die Kommunikation auch gezielt und bewusst anwenden. Durch die sprachliche Angleichung können Menschen auf eine bestimmte Seite gezogen werden, durch die Divergenz kann wiederum die eigene soziale Position demonstriert werden, die über der des Anderen stehen kann. So vermag jene Nichtangleichung im Falle beispielsweise eines Politikers, der stets seinem eigenen Sprachstil treu bleibt, zwar als überheblich ausgelegt werden, es kann aber im Kontext einer öffentlichen Rede beispielsweise auch durchaus positiv mit Attributen der Beständigkeit, der Stärke, der Authentizität und der Einflussmacht bewertet werden.</p>
<p>So ergab beispielsweise eine <a href="http://www.www.asanet.org/images/members/docs/pdf/featured/06gregory.pdf"> Studie über Fernsehdebatten amerikanischer Präsidentschaftskandidaten </a> zwischen 1960 und 2000 das sich die weniger dominanten Kandidaten den dominanteren anpassten. Den späteren Gewinner konnte man schließlich an der jeweiligen Konvergenzrichtung ablesen.</p>
<p><strong>Theaterbühne Alltag und die Stimme als Akteur</strong></p>
<p>Doch nicht nur die professionalisierten Redner auf der politischen Bühne wissen um die bewussten Beeinflussungsmöglichkeiten ihres Publikums. Bereits 1959 beschrieb der amerikanische Soziologe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erving_Goffman"> Erving Goffman </a> in seinem Werk „<em>Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag</em>“ das Leben in der Gesellschaft als ein Theaterspiel, in dem der Einzelne den Eindruck steuert und lenkt, den andere von ihm gewinnen sollen. Demnach könne man seine Umwelt durch seine Ausdrucksweise und Selbstinszenierung dazu bringen, nach den eigenen Plänen zu handeln. Sei es nur, dass man eine bestimmte Notwendigkeit in eine Bitte legt, die man gegenüber einem Freund äußert, oder eventuell ein Bewerbungsgespräch bestreitet in dem man voller Selbstbewusstsein spricht, obwohl einen eher ein starker Fluchtgedanke beschleicht, wir alle machen es täglich – die bewusste Beeinflussung unserer Umwelt mittels unserer Stimme.</p>
<p>Nicht umsonst werden wir seit Jahren überschwemmt mit vermeintlichen absoluten Ratgebern wie „Die gewinnende Stimme“, oder „Die Stimme mit Einfluss“, die uns die entscheidende Rolle des richtigen Einsatzes der Stimme für den beruflichen Erfolg garantieren möchten. Auch wenn die Anleitungen zur Optimierung der Stimme eher überzogen sind, machen sie doch darauf aufmerksam, dass die Stimme zunehmend in den medialen, wie auch wissenschaftlichen Fokus gerät und schaffen so eine Sensibilisierung für das Auditive.</p>
<p><strong>Ausblick</strong></p>
<p>Sie geben Anlass einen weiterführenden Blick darauf zu werfen, ob und welcher Zusammenhang zwischen der Stimme und der sozialen Position des Menschen in der Gesellschaft im Kontext von Konventionen, Werten, Normen und Traditionen besteht.</p>
<p>Im <a href="http://klangschreiber.de/?p=4965">nächsten Teil</a> meines Blogs soll es deswegen um die Geschlechterspezifik und um unsere gesellschaftliche und kulturelle Verankerung in Bezug auf unsere Stimmausprägung gehen. Gibt es so etwas wie eine typisch weibliche, typisch männliche, typisch westliche oder typisch fernöstliche Stimme? Inwieweit ist die Stimme auf die Evolution zurückzuführen und inwieweit könnte sie auch von gesellschaftlichen Konventionen und kulturellen Traditionen geformt sein? Und wie ist beides vereinbar?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellenverzeichnis:</strong></p>
<p>Göttert, Karl-Heinz: <em>Geschichte der Stimme</em>. Köln: Wilhelm Fink Verlag 1998.</p>
<p>Lehmann, Christian: <em>Sprachliche &#8211; parasprachliche &#8211; nichtsprachliche Kommunikation</em>. <a href="http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html">http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html</a>. (14.02.2012).</p>
<p>Sowodniok, Ulrike: <em>Funktionaler Stimmklang – ein Prozess mit Nachhalligkeit</em>. In: <em>Funktionale Klänge. Hörbare Daten, klingende Geräte und gestaltete Hörerfahrungen</em>. Hg. von Georg Spehr. Bielefeld: transcript Verlag 2009. S. 101-126.</p>
<p>Scherer, Thomas M.: <em>Stimme, Emotion und Psyche. Untersuchungen zur emotionalen Qualität der Stimme</em>. Frankfurt am Main: Deutsche Bibliothek 2000.</p>
<p>Stanford W. Gregory Jr. und Timothy J. Gallagher: <em>Sprectral Analysis of Candidates´Nonverbal Vocal Communication: Predicting U.S. Presidential Election Outcomes</em>. In: <em>Social Psychology Quaterly</em>. Band 65. Nr. 3. 2002. S. 298-308.</p>
<p>Wikipedia: <em>Communication Accomodiation Theory. </em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Communication_accommodation_theory">http://en.wikipedia.org/wiki/Communication_accommodation_theory</a><em>. (14.02.2012).</em></p>
<p>Wikipedia: <em>Dorothy Parker</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_Parker">http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_Parker</a>. (12.02.2012).</p>
<p>Wikipedia: <em>Erving Gofman</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erving_Goffman">http://de.wikipedia.org/wiki/Erving_Goffman</a>. (212.02.2012).</p>
<p>Wikipedia: <em>Parasprache</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache">http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache</a>. (08.12.2011).</p>
<p>Wood, Gary. <em>PsyCentral Blog with Dr Gary Wood. The Body Language Myth: The 7% &#8211; 38% &#8211; 55% Rule</em>. <a href="http://psycentral.wordpress.com/2009/03/03/body-language-myth-7-38-55-rule-dr-gary-wood-psycholog/">http://psycentral.wordpress.com/2009/03/03/body-language-myth-7-38-55-rule-dr-gary-wood-psycholog/</a>. (11.03.2012).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Klang der Gefühle &#8211; Teil 1/4 der Reihe „Die Stimme: Unser akustisches Ich“</title>
		<link>http://klangschreiber.de/2012/04/30/der-klang-der-gefuhle-teil-14-der-reihe-%e2%80%9edie-stimme-unser-akustisches-ich/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 19:17:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vanessa Mühlberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkörper]]></category>
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		<description><![CDATA[&#160; „Hör auf deine Stimme“ ist der weise Rat, den uns Menschen geben, wenn wir uns selbst einer Sache nicht sicher sind. Es meint, in sich hineinzuhören, um seinen eigenen Weg zu finden. Die Stimme steht in diesem Zusammenhang für die innere Botschaft, aber symbolisiert zugleich die eigene Identität. „Jemandem seine Stimme zu geben“  oder auch „seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_3202" class="wp-caption alignleft" style="width: 280px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2011/12/mit_allen_sinnen_u_mit_herz1.jpg"><img class=" wp-image-3202" src="http://klangschreiber.de/files/2011/12/mit_allen_sinnen_u_mit_herz1-300x224.jpg" alt="" width="270" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">© &quot;Sinne&quot; by WHC-Schule Trier</p></div>
<p>„Hör auf deine Stimme“ ist der weise Rat, den uns Menschen geben, wenn wir uns selbst einer Sache nicht sicher sind. Es meint, in sich hineinzuhören, um seinen eigenen Weg zu finden. Die Stimme steht in diesem Zusammenhang für die innere Botschaft, aber symbolisiert zugleich die eigene Identität. „Jemandem seine Stimme zu geben“  oder auch „seine Stimme zu erheben“ bezeichnet  die eigene vertretende Position, die nach außen getragen wird. Unsere Stimme ist unser „akustisches Ich“. Durch sie drücken wir unsere Meinung, unsere Werte und Anschauungen aus. Jedoch vermag sie noch viel mehr als das. Begleitet sie uns auch jeden Tag und bedienen wir uns ihrer auch zu jeder Zeit, beachten wir sie doch nicht weiter. Folgen wir doch dem Rat und hören tatsächlich mal hin, was unsere Stimme uns alles faszinierendes zu sagen hat…</p>
<p><span id="more-3074"></span></p>
<p><strong>Die Stimmen im Blickfeld</strong></p>
<p>Stimmen sind ein normaler Bestandteil unseres Alltags. Sie umgeben uns zu Hause, auf der Arbeit, in der Schule, in der Uni und in unserer Freizeit und lassen sich nicht ausblenden. Im Gegensatz zu unseren Augen, die wir vor der visuellen Welt verschließen können, besitzen wir keine „Ohrenlider“, mit denen wir uns vor den omnipräsenten akustischen Reizen abschotten könnten. Doch statt das Gewirr von Stimmen ungeachtet an einem vorbei ziehen zu lassen, lohnt es sich, einmal genauer hinzuhören, was die eigene und die Stimmen der anderen einem alles über sich erzählen können. Es geht weniger darum, <em>was</em> wir durch die Stimme sagen, sondern vorallem <em>wie</em> wir etwas unbewusst, wie bewusst mit der Stimme ausdrücken. Sie ist eines unserer machtvollsten Instrumente und steht im Zentrum des Kommunikationsprozesses.</p>
<p>In meinem mehrteiligen Blog soll die Stimme deshalb zu ihrem Recht kommen. Nach einem ersten Ausflug in die Funktionsweisen unseres menschlichen Sprechapparats, werden wir uns mit gespitzten Ohren auf die Suche nach der Stimme in unserem <a href="http://klangschreiber.de/?p=4963">persönlichen und sozialen Umfeld</a> machen, <a href="http://klangschreiber.de/?p=4965">geschlechtsspezifische, sowie kulturelle und gesellschaftliche Auswirkungen</a> miteinbeziehen und final die Oralität der Literalität gegenüberstellen und das <a href="http://klangschreiber.de/?p=4971">Potenzial der Stimme in den verschiedenen Bereichen des (beruflichen) Alltags</a> unter die Lupe nehmen.</p>
<p>Die Fragestellung ist dabei immer, welche Bedeutung der Einsatz der Stimme für uns und unsere Umwelt hat. Inwieweit ist die Stimme ein naturgegebenes Phänomen oder inwieweit ist sie als kulturbedingt geformtes Persönlichkeitsmerkmal zu definieren? Werden wir durch die Umwelt in unserer Stimmfarbe beeinflusst? Welche Wirkungen hat die eigene Stimme auf andere und kann ich durch sie meine Umgebung beeinflussen?</p>
<p><strong>Mehr als Worte&#8230;</strong></p>
<p>Wir kennen die lässige, fast schon gelangweilte Stimme des Piloten, der uns Fluggäste über den Wolken cool darüber informiert, in welcher Höhe wir uns gerade befinden. Haben wir dann plötzlich ein ungutes Gefühl oder beschleicht uns gar eine Panik, weil das Flugzeug für einen Moment bedrohlich holpert und ruckelt, als würde man über Steine fahren, meldet sich der Kapitän aus dem Cockpit und spricht zu den Gästen im selben ruhigen Tonfall und Tempo wie zuvor. Er erläutert die (selbstverständlich!) unbedenklichen „kleinen Turbulenzen“, die uns jedoch nicht zu beunruhigen bräuchten. Was wäre, wenn er uns stattdessen mit schriller Stimme, heftig atmend und stockend über die aktuelle Lage informieren würde? Wahrscheinlich wäre es im selben Moment vorbei mit unserer Ruhe, weil wir der sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache">Parasprache</a> des Piloten, zu der u.a. die Tonlage, die Lautstärke und das Tempo als Merkmale der Stimme gehören,  nun mehr Beachtung und Glaubwürdigkeit beimessen würden, als dem reinen Inhalt seiner Botschaft.</p>
<p>Doch nicht nur Piloten sind in ihrem Beruf auf den bewussten Einsatz ihrer Stimme angewiesen. Ob nun die einfühlsame Kommunikation von Arzt zu Patient, die rhetorisch versierten Reden der Politiker, die Moderationen und Meldungen der Rundfunksprecher, oder auch die ausgeklügelten Überzeugungsreden, die im Gericht durch Staatsanwalt und Verteidiger geschwungen werden – mitunter macht der Ton die Musik.</p>
<p><strong>Der eigene Klang-Körper</strong></p>
<p><a href="http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/musik/singstimme/index.jsp">Die Stimme</a> ist nicht nur heiße Luft, obwohl ihr Klang entsteht, indem eben solch ein Luftstrom beim Ausatmen, vereinfacht erläutert, auf die im Kehlkopf liegenden Stimmlippen trifft und sie zum Schwingen bringt und als Schall in den Bereichen der Mund-, Rachen- und Nasenhöhlen dann seinen ganz eigene Stimmfarbe bekommt. Insgesamt sind an der Lautbildung der Stimme zahlreiche Organe wie Lunge, Luftröhre, Kehlkopf und Stimmlippen, Rachen, Nase, Kiefer und der Mund mit weichem und hartem Gaumen, weiterhin die Zähne, Zunge und Lippen, sowie drei Viertel unseres Rumpfes als eingespieltes Team beteiligt – wir sprechen quasi mit unserem Körper.</p>
<p>Mit den verschiedenen Muskeln, die am Sprechvorgang beteiligt sind, werden die Farben unserer Klangpalette erzeugt, mit denen wir unsere Stimme mit Zuneigung, Freude, Angst oder Enttäuschung einfärben (können). Schon <a href="http://www.bernhard-koch.de/cicero.htm">Cicero</a> klingt in seinen Schriften über die psychische Dimensionen der Stimme sehr modern: „Denn jede Gemütsbewegung hat von Natur ihre eigenen Mienen, Töne und Gebärden [...] und alle seinen Mienen und Stimmen ertönen, gleich den Saiten einer Lyra, so, wie sie jedes Mal von den Gemütsstimmungen berührt werden.“</p>
<p><strong>Die Stimme als Emotionsträger</strong></p>
<p>So können unsere Stimmen als Emotionsträger fungieren und damit eine Brücke zwischen dem Innen und dem Außen schlagen. Innere Gefühle werden in Klang umgewandelt, indem verschiedene Gefühlslagen unterschiedliche Veränderungen der Muskelspannungen, der Atemmuster und der Gehirntätigkeiten evozieren. Dabei können Stimmlage, Lautstärke, Geschwindigkeit und Intonation als Merkmale der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prosodie">Prosodie</a> einen Beitrag zur Aufschlüsselung der emotionalen Verfassung eines Menschen leisten. Das Gefühl von Angst äußert sich beispielsweise oftmals durch eine hohe Stimmlage und unkontrolliertes Atmen, Verachtung durch laute und langsame Äußerungen, bei  Zorn ist die Stimmlage höher und das Sprechtempo schneller, wobei eine gestresste Stimme eher hoch und laut ist und ein gesteigertes Sprechtempo aufweist. Bei Schmerz hingegen ist die Stimme eher leise und durch Sprechpausen bestimmt. Dennoch sind die Emotionen in ihrer tatsächlichen Ausprägung genauso vielfältig wie das Individuum an sich und können sich bei jedem unterschiedlich äußern. Dies hat zur Konsequenz, dass es keine absolute Anleitung zur Decodierung der Gefühle anhand der Stimmmerkmale geben kann.</p>
<p><strong>Zwischen den Zeilen hören</strong></p>
<p>Nichtsdestotrotz sind wir sensibilisiert für die Emotionen, die in den Stimmen derer mitschwingen, die zu unserem nächsten Umfeld gehören, wie Familie und Freunde. „Ich höre es an deiner Stimme.“ – Menschen, die uns nahe stehen, können wir meist nicht nur ansehen, wenn etwas nicht stimmt, sondern wir hören es auch aus dem, wie sie uns etwas mitteilen. Unsere Fähigkeit der Empathie und des genauen Zuhörens ermöglicht uns durch die Beachtung der paralinguistischen Zeichen in der Stimme unseres Gegenübers die Lage zu erfassen, ohne, dass der Inhalt sonderlich aussagekräftig sein muss. Alleine der Satz „Es geht mir gut“ kann ganz unterschiedlich ausgedrückt werden und durch die Deutung seiner mitkommunizierten, nonverbalen Signale Aufschluss über die wirkliche Verfassung der Person geben.</p>
<p>Oftmals versuchen wir dann an den Augen unseres Gegenübers abzulesen, was ihn bewegt. Doch das sinnliche Erfahren und Wahrnehmen von Gefühlen funktioniert nicht nur durch das sprichwörtliche Fenster der Seele. Als akustisches Pendant kann die Stimme gleichfalls als Sprachrohr der Seele fungieren. Sprechen wir, dann geben wir viel mehr von uns preis, als uns im ersten Moment bewusst ist. Fühlen wir uns unsicher, dann verstummen wir und versuchen uns so gegen unsere Umwelt abzuschotten. Oft aber verstellen wir auch unsere Stimme, um nicht zu zeigen, wie es in uns wirklich aussieht.</p>
<p><strong>Die Stimme als akustischer Fingerabdruck</strong></p>
<p>Was wir jedoch nicht verstellen können, ist die grundsätzliche Klangfarbe, auch Timbre genannt, die ein einzigartiges Merkmal der Stimme eines jeden Menschen gleich seines Fingerabdruckes darstellt. Bereits der römische Redner <a href="http://www.schule-der-rhetorik.de/quintilian.html">Quintilian</a> vermutete, dass „jeder Mensch seine eigene, unverwechselbare Stimme besitzt, die das Ohr ebenso gut zu erkennen vermag wie das Auge charakteristische Gesichtszüge“. Das Timbre ist immer vorhanden, egal, ob ein Mensch schreit, flüstert oder seine Stimme auf andere Weise modifiziert. Es ist abhängig von den am Sprechvorgang beteiligten Organen, ihren individuellen Ausprägungen und ihrem Zusammenspiel. Das Timbre ist der Grund, weshalb wir die uns nahestehenden Personen bereits in dem Bruchteil einer Sekunde anhand ihrer Stimmen erkennen können. Das wiederum gelingt uns, da sich Stimme und Ohr gegenseitig in ihrer Funktionsweise optimal ergänzen und beide durch bewegte Luft aktiviert werden. Lässt die Luft im Vorgang der Stimmproduktion den Kehlkopf vibrieren, versetzen die Schallwellen in der Luft das Trommelfell in Schwingungen und leiten so den ersten Schritt der akustischen Rezeption ein.</p>
<p><strong>Vorläufiges Zwischenergebnis und Ausblick</strong><strong> </strong></p>
<p>Durch die naturgegebene Einzigartigkeit jeder Stimme werden wir als Individuen ausgezeichnet. Gleichzeitig formen wir mithilfe der unterschiedlichen bewussten Modulationen unserer Stimme jedoch auch selbst aktiv das Bild, das andere von uns bekommen sollen. Deshalb wird es im nächsten Teil des Blogs um die bewusste Eigensteuerung unserer Stimme und die daraus resultierenden Mechanismen und Wirkungen in Bezug auf die Sympathie und Gruppenzugehörigkeit in unserem sozialen Umfeld gehen. Versuchte der erste Teil zunächst eine grundlegende Kenntnis über den physischen Vorgang der Stimmproduktion und eine Einführung in die Potenzialität der Stimme als (unbewussten) Gefühlsträger zu geben, wird bald die bewusste Formung der Stimme im Kontext von <a href="http://klangschreiber.de/?p=4963">Interaktionen</a>, aber auch von <a href="http://klangschreiber.de/?p=4965">Geschlecht, Kultur und Gesellschaft</a> im Fokus stehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline">Quellenverzeichnis:</span></strong></p>
<p>Göttert, Karl-Heinz: <em>Geschichte der Stimme</em>. Köln: Wilhelm Fink Verlag 1998.</p>
<p>Gora, Stephan: <em>Quintilian</em>. <a href="http://www.schule-der-rhetorik.de/quintilian.html">http://www.schule-der-rhetorik.de/quintilian.html</a>. (11.12.2011).</p>
<p>Koch, Bernhard: <em>Wer war Cicero?</em>. <a href="http://www.bernhard-koch.de/cicero.htm">http://www.bernhard-koch.de/cicero.htm</a>. (09.12.2011).</p>
<p>Kühner, R.: <em>Marcus Tulius Cicero</em>. Kap III. <a href="http://www.gottwein.de/Lat/CicDeOrat/de_orat03de.php">http://www.gottwein.de/Lat/CicDeOrat/de_orat03de.php</a>. (12.12.2011).</p>
<p>Lehmann, Christian: <em>Sprachliche &#8211; parasprachliche &#8211; nichtsprachliche Kommunikation</em>. <a href="http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html">http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/parasprache.html</a>. (13.12.2012).</p>
<p>Planet Wissen: <em>Die Singstimme</em>. <a href="http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/musik/singstimme/index.jsp">http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/musik/singstimme/index.jsp</a>. (10.12.2011).</p>
<p>Sowodniok, Ulrike: <em>Funktionaler Stimmklang – ein Prozess mit Nachhalligkeit</em>. In: <em>Funktionale Klänge. Hörbare Daten, klingende Geräte und gestaltete Hörerfahrungen</em>. Hg. von Georg Spehr. Bielefeld: transcript Verlag 2009. S. 101-126.</p>
<p>Scherer, Thomas M.: <em>Stimme, Emotion und Psyche. Untersuchungen zur emotionalen Qualität der Stimme</em>. Frankfurt am Main: Deutsche Bibliothek 2000.</p>
<p>Wikipedia: <em>Parasprache</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache">http://de.wikipedia.org/wiki/Parasprache</a>. (08.12.2011).</p>
<p>Wikipedia: <em>Prosodie</em>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prosodie">http://de.wikipedia.org/wiki/Prosodie</a>. (08.12.2011).</p>
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		<title>Musik und Ritual &#8211; die Rolle von Klang im Kultus (Teil II von II)</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 09:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lioba Schloesser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Klangwelten]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kultus]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Orgel]]></category>
		<category><![CDATA[Ritual]]></category>

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		<description><![CDATA[Anschließend an den ersten Teil dieser Serie soll darauf eingegangen werden, wie musikalische Klänge und das gesprochene Wort die Performativität des Ritus beeinflussen. Es schließen sich die Fragen an, ob auch bei anderen Formen des Rituals dieselbe Wirkweise von Klängen zu beobachten ist und ob der Ritus daher als Beispiel für andere Formen von Ritualen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2530" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/03/463632_web_R_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg"><img class="alignleft  wp-image-5002" src="http://klangschreiber.de/files/2012/03/463632_web_R_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="225" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Foto von pixelio.de © Rainer Sturm</p></div>
<p style="text-align: left">Anschließend an den<a href="http://klangschreiber.de/?p=4925" target="_blank"> ersten Teil dieser Serie</a> soll darauf eingegangen werden, wie musikalische Klänge und das gesprochene Wort die Performativität des Ritus beeinflussen. Es schließen sich die Fragen an, ob auch bei anderen Formen des Rituals dieselbe Wirkweise von Klängen zu beobachten ist und ob der Ritus daher als Beispiel für andere Formen von Ritualen gesehen werden kann. Dazu muss aber erst einmal geklärt werden, was unter einem performativen Akt zu verstehen ist.<span id="more-4932"></span><strong></strong></p>
<p style="text-align: left"><strong>Der performative Akt</strong></p>
<p> Die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte definiert den performativen Akt nach John Austin und sieht die gleichzeitige Anwesenheit von Akteuren und Zuschauern als zwingende Voraussetzung für jede Form von Performativität. Erst durch die Anwesenheit und Reaktion des Publikums kann der performative Akt des Ritus&#8217; entstehen. Die Rezipienten sind ein wichtiger Teil des Rituals, da sie es mit ihrer individuellen Aufnahme und Verarbeitung erst wirksam machen. Durch diesen Vorgang konstruieren sie, zusammen mit den Performern, eine neue Wirklichkeit. So werden neue Identitäten geschaffen, im Fall des Ritus sind dies die der um Erlösung bittenden Sünder und die des Repräsentanten Gottes. Fischer-Lichte schreibt dazu:</p>
<p>„Die körperlichen Handlungen, die als performativ bezeichnet werden, bringen keine vorgängig gegebene Identität zum Ausdruck, vielmehr bringen sie die Identität als ihre Bedeutung allererst hervor“ (Fischer-Lichte, 2004: 37). Daher kommt Fischer-Lichte zu dem Schluss: „Identität – als körperliche und soziale Wirklichkeit – wird stets durch performative Akte konstruiert“ (Ebenda).</p>
<p><strong>Der gläubige Sünder</strong></p>
<p>Betritt der Gläubige den Schauplatz der Aufführung, also die Kirche, wird er somit zu einem Teil des Ritus, der ihm eine bestimmte Funktion zuordnet. Seine eigentliche Identität bleibt dabei objektiv gesehen unbeachtet, er ist in der Rolle als Sünder beliebig auswechselbar und nur auf seine Funktion beschränkt. Subjektiv gesehen ist der Kirchgang für den Gläubigen selbst jedoch von immenser Bedeutung.</p>
<p>Hier muss auch der Unterschied zwischen den Rezipienten und den Leitern und Performern des Rituals (Priester, Küster, Orgelspieler, Chor etc.) betont werden. Diese sind nicht beliebig austauschbar, da sie für das Ausüben ihrer Rolle über wichtiges Wissen verfügen. Nur der Priester darf vor der Gemeinde predigen, nur der Orgelspieler weiß, wie man mit dem Instrument umgeht und auch der Chor ist auf seine Aufgabe hin geschult. Sollte ein Gemeindemitglied zufälligerweise dieselben Kenntnisse haben, bleibt dies unbeachtet. Niemand käme auf die Idee, sich anstelle des Priesters vor die Gemeinde zu stellen, selbst wenn er oder sie Theologiekenntnisse hätte. Diese Konventionen bleiben immer gleich und werden weder nach Anlass noch nach Besetzung geändert.</p>
<p><strong>Musik schafft Gemeinschaftsgefühl</strong></p>
<p>Somit zeigt sich deutlich, wie die eigene Realität des Ritus geschaffen wird. Hier setzt die Rolle der Musik ein. Schweizer nennt in seinem Buch wichtige Gründe, wieso die Gemeinde zum Mitsingen bewegt werden soll. Zum einen führt er „die Möglichkeit, als gleichberechtigter Partner mit Pfarrer, Organist und Chören den Gottesdienst vollgültig mitzugestalten […]“ (Schweizer, 1996: 18)  an, zum anderen die atmosphärische Wirkung von Musik und Sprechchören. Dies führt er auf den hohen Grad an gemeinsamem Erleben zurück, das eben jede Wirkung der Musik im Kultus ausmacht.</p>
<p>Auch in der Bibel und in den alten Schriften werden der Musik therapeutische und göttlich—heilende Kräfte zugesprochen. Auch David wurden solche Kräfte zugeschrieben, als er mit seiner Harfe vor dem depressiven König Saul spielte. „Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und es wurde besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm“ (Samuel, 1: Kapitel 16, Vers 23, nach Schweizer, 1996: 10f. ) . Dies ist nur ein Beispiel von vielen Bibelstellen wo Instrumente, Gesang und Musik als Ausdruck göttlicher Kraft genannt werden. Heute würde man dies unter Beeinflussung der Psyche zusammenfassen.</p>
<p>„[…] so scheinen die Menschen unserer Tage wieder das ‚Ritual’ die erlebnismäßige Komponente, bzw. die Meditation und die Verinnerlichung zu suchen, denn nur so können sie den ständigen Bedrohungen ihrer Existenz und den immer lauter werdenden moralischen und politischen Appellen sowie den unzähligen Zerstreuungsangeboten standhalten. Zweifellos bietet die Kirchenmusik hier einige Ansatzpunkte, die auch von jenen für sich in Anspruch genommen werden, die sich nicht mehr völlig mit der Kirche und ihrer Lehre identifizieren können“ (Ebenda, 25).</p>
<p><strong>Ddurch Musik wird das Ritual geschaffen</strong></p>
<p>Es zeigt sich also, dass Musik eine Bedingung für die performative Wirkung des Ritus ist.<br />
Die Messe selbst ist eng mit dem generellen Ritual verbunden. Sie kann stellvertretend für jedes geführte Gruppenritual gesehen werden und funktioniert nach denselben Strukturen und Richtlinien. Nicht nur vom Wortstamm her hängen ‚Ritus‘ und ‚Ritual‘ zusammen. So leitet sich „Ritual“ vom lateinischen „ritualis“ ab, was mit „den Ritus betreffend“ übersetzt werden kann. Historisch betrachtet hängen beide eng zusammen. Jedes Ritual findet seinen Ursprung in dem (meist heidnischen) Glauben und der religiösen Zeremonie.</p>
<p>Abschließend lässt sich daher feststellen, dass Musik und Klänge ein wichtiger Bestandteil der katholischen Messe und somit auch in jeder Form des Rituals sind. Sie wirken nicht nur auf das Bewusstsein der Rezipienten, sondern auf das aller Beteiligten und schaffen so die spezielle, im Beispiel des Ritus „heilige“ Atmosphäre. Speziell die Messe könnte, wie diese Beitragsserie gezeigt hat, ohne akustische Bestandteile nicht so intensiv und effektvoll auf alle Teilhabenden wirken.</p>
<p><em>Quellen:</em><br />
<em>Berger, Frank: Musik im Kultus. Verlag Urachhaus GmbH, Stuttgart: 1995.</em></p>
<p><em>Fischer-Lichte, Erika: Ästhetik des Performativen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main: 2004.</em></p>
<p><em>Nöcker-Ribaupierre, Monika (Hg.): Ritual, System, Ressource. Konzepte der Musiktherapie. Reichert Verlag, Wiesbaden: 2005.</em></p>
<p><em>Schweizer, Rolf: Ritual und Aufbruch. Kirchenmusik zwischen pädagogischem Handeln und künstlerischem Anspruch. Strube Verlag GmbH, München: 1996.</em></p>
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		<title>Musik und Ritual &#8211; die Rolle von Klang im Kultus (Teil I von II)</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 09:26:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lioba Schloesser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Klangwelten]]></category>
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		<category><![CDATA[Ritual]]></category>

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		<description><![CDATA[Fragt man Passanten auf der Straße, was sie mit dem sonntäglichen Kirchengang verbinden, bekommt man Antworten wie „Kirchenglocken, die zur Messe rufen“, „gemeinsam Lieder singen“, „Predigten“ oder „Orgelmusik und den Kirchenchor hören“. Was sich nur wenige der Befragten bewusst machen ist die Tatsache, dass es sich hier ausschließlich um Klänge handelt. Diese Beitragsserie beschäftigt sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2530" class="wp-caption alignleft" style="width: 242px"><a href="http://klangschreiber.de/files/2012/03/463632_web_R_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg"><img class="alignleft  wp-image-5002" src="http://klangschreiber.de/files/2012/03/463632_web_R_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="232" height="185" /></a><p class="wp-caption-text">Foto von pixelio.de © Rainer Sturm</p></div>
<p>Fragt man Passanten auf der Straße, was sie mit dem sonntäglichen Kirchengang verbinden, bekommt man Antworten wie „Kirchenglocken, die zur Messe rufen“, „gemeinsam Lieder singen“, „Predigten“ oder „Orgelmusik und den Kirchenchor hören“. Was sich nur wenige der Befragten bewusst machen ist die Tatsache, dass es sich hier ausschließlich um Klänge handelt.</p>
<p>Diese Beitragsserie beschäftigt sich mit der Rolle von Klang im performativen Ritual des Kultus. Es wird untersucht was Glauben, Beten und der Ritus an sich mit dem Hören zu tun und welche Bedeutung Klänge für das Messritual haben. Würde dieses ohne sie überhaupt noch seinen Zweck erfüllen und wenn ja, wie wird die Messe dann durch Klänge, Gesang und Musik beeinflusst?<span id="more-4925"></span><br />
Zur Beantwortung dieser Fragen muss zuerst eine Verbindung zwischen Hören und dem Gottesdienst hergestellt werden, was sich als recht einfach gestaltet. Berger bezeichnet das Hören als „Grundtätigkeit aller, die am Kultus teilnehmen“ (Berger, 1995: 17), somit wird deutlich, dass die Hörtätigkeit der zentrale Zugang zum Ritual einer Messe jeglicher Form ist. Denn „der Kultus ist ein Wort-Kultus“, schreibt Berger weiter. Wer kennt das Phänomen nicht, wenn die Begeisterung über eine inbrünstig vorgetragene Rede erlischt, wenn man das dröge, trockene Skript vor sich sieht. Um was es hier und auch im Gottesdienst geht ist die Performance. Der performative Akt der gesprochenen Worte, die durch Musik und Gesang untermalt, betont und somit gefällig und einprägsam gemacht werden.</p>
<p><strong>Musik als Ausdruck der Seele</strong></p>
<p>„Musik wird als unmittelbare Seelensprache erlebt, weil sie ohne den Umweg über den Verstand und seine intellektuellen Filter wirkt. So kann sie gerade im kultischen Zusammenhang Unermessliches leisten: Seelen-einstimmend und dadurch Gemeindegefühl erzeugend; Seelenöffnend und dadurch Vertiefung bewirkend“ (Berger, 1995: 19f).</p>
<p>Berger spricht immer wieder von der „Seele“ auf die die Musik in der Messe einwirkt. Er knüpft damit an Forschungsergebnisse aus dem Diskurs der Musikpsychologie und Musiktherapie an, die hier nicht im Einzelnen wiederholt werden können. Für den Ritus ist entscheidend, dass durch die Wirkung auf den Rezipienten ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen wird, das sich in Einzelfällen zu einer rauschähnlichen Ekstase steigern kann.</p>
<p>Generell wird der Ritus durch die immer gleiche Abfolge und Wiederholung bekannter und emotional aufgeladener Handlungen zu einem gesellschaftlichen Habitus. Dadurch schafft er für den modernen Messebesucher eine Stabilität und ein bleibendes Konstrukt außerhalb des unmittelbaren Alltags. Dies geschieht nur durch passive Rezeption, ohne bewusste Einwirkung des Verstandes und Rationalität. Gerade hier wird die Wirkung über das Hören wichtig. „Hörend Aufgefasstes lebt in uns zunächst weniger intellektuell als gemüts- und willensmäßig“ (Ebenda, 18).</p>
<p>Generell wird der Kultus an vier festgelegten Stellen von Musik begleitet: Zu Beginn, nach dem Glaubensbekenntnis, nach dem Vaterunser und zum Ausklang. Natürlich kann dies je nach Ort oder Anlass der Messe variiert werden. Meist wird die Musik durch die Orgel und/oder einen Chor erzeugt. Zu besonderen Anlässen wie einer Trauung oder an religiösen Festtagen wird dieser Canon jedoch beliebig erweitert. Die meiste Kirchenmusik ist daher bis heute liturgisch gebunden, das heißt, bestimmte Stücke werden nur zu bestimmten Zeiten und Anlässen im Kirchenjahr gespielt, was maßgeblich zur Stabilität des Rituals beiträgt.</p>
<p>Oft wird jedoch noch einmal spezifisch zwischen der Wirkung eines Chors und eines Orchesters unterschieden. Singt ein Chor, wird „der Wortorganismus der Handlung mit zusätzlichen Texten durchsetzt“, wie Berger schreibt. Das bedeutet, die Messebesucher werden aus der Rolle der aktiven (selbst-)Sänger zu passiven Zuhörern nicht nur der Musik, sondern auch des gesungenen Wortes. Die Musik wird dadurch zum Katalysator unserer inneren Empfindungen und drückt das aus, was der Ritus transportieren möchte. So wird zum Beispiel das Abendmalritual nicht mehr als der kannibalistische Akt gesehen den es darstellt, sondern wirkt viel mehr als eine Art Kraftquelle für viele Messebesucher. Die Opferzeremonie ist der zentrale Moment des Kultus. Wenn Jesu Leib und Blut unter den Gläubigen geteilt und verzehrt werden, erklingt nicht nur feierliche Musik, sondern auch drei Mal die Kirchenglocken, sowie die Schellen der Messdiener, um die Wichtigkeit anzudeuten und den Höhepunkt des Rituals zu markieren.</p>
<p><strong>Die Kirchengesänge Kyrie und Gloria </strong></p>
<p>Als Weiteres, nicht deklamatorisches Beispiel habe ich die zwei bekannten Kirchengesänge Kyrie und Gloria gewählt, um die Umsetzung der Ritusstrukturen durch Klang deutlicher zu machen. In der Liturgiewissenschaft trifft man häufig auf den Begriff „Die Kyrie-Gloria-Struktur“, der den dramaturgischen Bogen eines Gottesdienstes bezeichnet und genau diesen Vorgang erklärt.</p>
<p>„Wir beginnen als unwürdige, bittende Geschöpfe, (Kyrie eleison: Herr, erbarme Dich unser), doch wir werden trotz unserer Unwürdigkeit der göttlichen Gnade teilhaftig. Ausdruck dieses Geschehens ist die Kommunion. Aus dem Erleben der Rettung und Heilung von der Sündenkrankheit entsteht die rechte Stimmung des „Gloria“, des Lobens und Dankens (Gloria in excelsis Deo: Ehre sei Gott in den Höhen). Diese beiden Pole bilden gleichsam die unabdingbaren Eckpfeiler, ohne die es keinen inneren Weg durch die Messe geben kann“ (Berger, 1995: 37).</p>
<p>Um Erlösung zu erreichen, muss das Eingeständnis der eigenen Schuldhaftigkeit und Unvollkommenheit vorausgehen. Erst auf das Gefühl der Unreinheit und Gottverlassenheit kann die Katharsis, die innere Reinwaschung von Sünden, musikalisch ausgedrückt durch das Kyrie erfolgen. Es schließt sich die Danksagung an Gottes Gnade und der Lobgesang in Form des Gloria an.<br />
Als drittes Beispiel kann die „Fastenzeit“ angeführt werden. In den 40 Tagen nach Ostern sollen sich gläubige Christen in Enthaltsamkeit üben. Demzufolge werden die Gottesdienste ohne Orgel, nur mit Gebet und wenig Gesang abgehalten. Hier spiegelt der Verzicht auf Klang die Enthaltsamkeit der Gläubigen wider und soll sie an ihre Pflicht zu fasten erinnern und unterstützen.<br />
Auf die genaue Art und Weise wie Klänge, speziell die der Sprache und Musik, die eigentliche Performativität einer Messe beeinflussen und was dies bei den Rezipienten bewirkt, wird im <a href="http://klangschreiber.de/?p=4932">zweiten Teil dieser Serie</a> näher eingegangen.</p>
<p>Hier sei als Zwischenfazit festgehalten, dass Musik und Klang nicht nur schmückendes Beiwerk des Ritus sind, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil des Rituals Gottesdienst darstellen. Musik und Klang bewirken und intensivieren dessen Emotionalisierung, indem sie den Rezipienten unmittelbar ansprechen und seine Gefühle und Befindlichkeiten beeinflussen.</p>
<p><em>Quellen:</em></p>
<p><em>Berger, Frank: Musik im Kultus. Verlag Urachhaus GmbH, Stuttgart: 1995.</em></p>
<p><em>Fischer-Lichte, Erika: Ästhetik des Performativen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main: 2004.</em></p>
<p><em>Nöcker-Ribaupierre, Monika (Hg.): Ritual, System, Ressource. Konzepte der Musiktherapie. Reichert Verlag, Wiesbaden: 2005.</em></p>
<p><em>Schweizer, Rolf: Ritual und Aufbruch. Kirchenmusik zwischen pädagogischem Handeln und künstlerischem Anspruch. Strube Verlag GmbH, München: 1996.</em></p>
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