Filmsound als Strategie Verunsicherung – Teil 1: Die Nouvelle Vague bricht mit filmästhetischen Konventionen

Jean-Luc Godard in Berkeley, 1968

Jean-Luc Godard in Berkeley, 1968

Gespräche nach einem Kinobesuch kreisen meist um die Handlung, die Schauspieler oder die visuellen Effekte. Die Gestaltung der Tonspur hingegen gibt nach wie vor wenig Anlass zur Diskussion – allenfalls noch die Filmmusik. Der Ton im Film wird meist absichtlich so unauffällig und subtil wie möglich gehalten, damit die Zuschauer die Dialoge klar und deutlich verstehen. Wie aufwendig das Sounddesign heutiger Filme tatsächlich ist, kann man auf dem Blog soundworkscollection.com sehr schön nachvollziehen. In einer zweiteiligen Serie beschäftigen wir uns mit der Tonebene als Bedeutungsträger und subversivem Gestaltungselement im Film – zunächst historisch am Beispiel der Nouvelle Vague, im zweiten Teil anhand des Spielfilms Elephant von Gus van Sant aus dem Jahr 2003. weiter lesen »

Aus der Kategorie Klangtechnik
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Ein Geräusch – Eine Erinnerung. Das akustische Gedächtnis.

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© Judith Huwer

Kann ein Geräusch eine Erinnerung wieder hervorrufen? Durch Bilder und Texte ist es sehr einfach ein erlebtes Ereignis in unserem Gedächtnis wieder zu rekonstruieren. Aber kann auch ein Geräusch, ein Ton oder ein anderes akustisches Signal eine solche Erinnerung bei uns erzeugen? Gibt es vielleicht sogar ganz prägnante Geräusche, die wir zum Beispiel in unserer Kindheit häufig gehört haben und die uns an besondere Situationen erinnern können? In dem Buch Akustisches Gedächtnis und Zweiter Weltkrieg von Robert Maier wird beschrieben, wie sich der Zweite Weltkrieg in den Ohren der Beteiligten festgesetzt hat und noch heute bestimmte Geräusche starke Emotionen auslösen können. Haufenweise Bilder, Filme und Bücher behandeln das Thema und halten das Geschehen fest. Rüdiger Ritter spricht in diesem Zusammenhang von „einem Übergewicht visualisierender Erzeugnisse“, die das visuelle Gedächtnis ansprechen, wodurch das akustische Gedächtnis in den Hintergrund gerät.1 Kriegsteilnehmer berichten jedoch, dass vor allem ihre lautlichen Erinnerungen besonders langlebig und nachhaltig sind.2 Für mich stellt sich vorerst die Frage, wie das akustische Gedächtnis funktioniert und wie genau die Erinnerungen geartet sind, die es hervorrufen kann. Hat man sich vielleicht schon einmal selber an eine Situation oder an ein Gefühl erinnert, weil man ein bestimmtes Geräusch, einen Ton oder ein Lied gehört hat?
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Aus der Kategorie Klangwelten
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Sound, Klang oder Ton – wovon sprechen wir eigentlich?

Ein grundlegendes methodisches Problem in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sound ist die sprachliche Bezeichnung eben jenes Forschungsobjektes. Die englische Sprache hat den Vorteil, dass der Begriff sound weitaus neutraler und damit umfassender ist als zahlreiche Übersetzungsmöglichkeiten im Deutschen. Nicht nur, weil die Literatur in den Sound Studies meist in Englisch verfasst ist, sondern auch wegen der Unbefangenheit des Begriffs hat sich ebenfalls im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Sound Studies etabliert.
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Immer blau & doch erfolgreich – Die Blue Man Group

Die drei "Blaumänner"

Die drei "Blaumänner"

Die Blue Man Group füllt bis heute mit ihren Live-Shows Theatersäle weltweit. Mit einer Mischung aus Comedy, Musik und multimedialem Theater begeisterten sie bereits mehr als 17 Millionen Zuschauer. Fantasievolle Elemente für Augen und Ohren und ihre charakteristischen blauen Köpfe machen die Blue Man Group einzigartig. Ganz nebenbei erfinden sie die Instrumente ihrer Shows selbst.

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Popmusik = Poppmusik? – Sex in den Charts

„Sex Sells“ – dieses Sprichwort scheint häufig mit der populären Musik eine untrennbare Verbindung einzugehen. Egal ob Britney lasziv stöhnt, während sie „I’m a slave for you“ haucht, Milow mit verträumten Augen auf seiner Gitarre spielt und dabei von „seiner Nymphomanin“ singt, die „es“ zu jeder Zeit an jedem Ort in jeder erdenklichen Position mit ihm machen will, 50 Cent uns in den „Candyshop“ einlädt, „to let you lick my lollypop“, Christina Aguilera „dirrty“ wird oder die Pussycat Dolls in Unterwäsche ihre Beine spreizen und sich dabei fragen „Don’t cha wish your girlfriend was hot like me?“ – Nahezu alle in den Charts vertretenen Interpreten präsentieren ihre gut gebauten Körper in eindeutigen Bewegungen lasziv auf Bühnen oder in Musikclips.

Im folgenden Beitrag soll es jedoch weniger um die körperliche Selbstdarstellung der Interpreten gehen, sondern vielmehr die Musik selbst in den Vordergrund rücken. Dabei werde ich versuchen, mich dem Phänomen „Sex in der Popmusik“ anhand der Texte und des Singstils der Interpreten anzunähern und herauszufinden, warum sich gerade die Popmusik so perfekt eignet, um mit sexuellen Anspielungen bei ihrem Zielpublikum zu punkten.

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Aus der Kategorie Klangkultur
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Die Popformeln – Das Geheimnis der Hits


Brian, der vermeintliche Sohn Gottes im Film „Das Leben des Brian“, spricht von einer Erhöhung zu seinen Anhängern: „Ihr seid alles Individuen!“ Diese antworten im Chor: „Ja, wir sind alles Individuen.“ Brian sagt daraufhin: „Und ihr seid alle verschieden!“ Und auch darauf stimmt die Masse ein: „Ja, wir sind alle verschieden.“ Nur ein Einziger sagt: „Nein, ich nicht.“

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